Sonntag, 22. Februar 2009

Die vierte Woche vollständig und die fünfte angefangen

Sodele, da bin ich mal wieder.

Ganz wichtig: Es ist immer noch kalt. Wollt ich nur erwähnt haben.

Am vergangenen Donnerstag war ich auf dem Markt der Beduinen in Be'er Sheva, zu dem sich hier jede Woche die Beduinen aus der Wüste Negev treffen. Die immer dichtere Besiedlung der Wüste schränkt die Lebensweise der Beduinen immer stärker ein. Die Regierung setzt wohl Anreize, dass die eigentlich als Nomaden lebendem Beduinen seßhaft werden, da sie ansonsten wohl zu sehr durch die Gärten der seßhaften Bevölkerung trampeln. So zumindest kam die Erklärung bei mir an.

Auf alle Fälle preisen sämtliche Reiseführer den Beduinenmarkt als Attraktion an. Also machte ich mich mit einer Karte von Beer Sheva bewaffnet auf, diesen ausfindig zu machen. Dies gelang mir dann auch, zugegebenermassen nicht auf dem direkten Weg, aber so hab ich Beer Sheva auch mal gesehn ;-) Als ich dann dort war, enttäuschte mich das Gesehene: Der Markt war auf zwei verschiedene Gebiete aufgeteilt: Auf einem Hügel verkauften Händler Lebensmittel, d.h. Tiere (Gänse, Hühner, ...) und Früchte. Ich hab mich leider nicht getraut, davon Fotos zu machen, da ich nicht wusste, wie die Verkäufer drauf reagieren. Diese waren tatsächlich so gekleidet wie man sie aus den Filmen kennt: Die Männer trugen rot-weiss-karierte Kopftücher, lange Gewänder, die Frauen waren komplett in Schwarz verschleiert. Der andere Teil des Markts war ein ganz normaler Flohmarkt, wie man ihn bei uns in Deutschland auch kennt - also auch nichts besonderes.

Aber dafür hab ich einen Riesenskandal aufgedeckt: Die Bundesregierung verbreitet ja das Gerücht, dass die Autos, die für die Abwrackprämie zurückgegeben werden, verschrottet werden. Das stimmt nur zur Hälfte. Die werden nach Be'er Sheva gebracht und dort zwischengelagert:

Könnte das bitte jemand an die Bild weitergeben, ich bin ihr neuer Leserreporter!

Die Israelis schauen ganz gern Fussball, die Bundesliga spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle (obwohl diesen Samstag wieder eine Aufzeichnung eines Spiels von Gladbach gebracht wurde): Neben englischer, spanischer und italienischer Liga bringen sie hier v.a. die Champions League. Und auch wenn ich nichts verstehe, bemerkte ich, dass in den israelischen Nachrichten v.a. der 1:0-Sieg von Liverpool bei Real Madrid besonderes Interesse fand. Das Tor wurde immer und immer wieder gezeigt und mittags erzählte mir Lior dann auch warum: Es wurde von einem israelischen Nationalspieler, Benayoun, erzielt - angeblich das wichtigste Ereignis der israelischen Fussballgeschichte. Naja, immerhin spielt ein Israeli bei einem englischen Verein in der Champions League - da haben wir Deutschen auch nur einen...

Benayoun hat seine Karriere bei Hapoel Be'er Sheva begonnen und von denen wollte ich mir an diesem Wochenende das Heimspiel anschauen, das gleichzeitig auch das Spitzenspiel der israelischen zweiten Liga war. Leider hatte ich mich im Tag geirrt und als ich mich am Samstag Richtung Stadion aufmachen wollte, stellte ich gerade noch fest, dass das Spiel am Tag vorher schon stattgefunden hatte. Dafür schaute ich mir die Wiederholung im Fernsehen an (Be'er Sheva hat 2:1 gewonnen).

Dann wurden diese Woche ernsthafte Anstregungen unternommen, dass ich mich mit dem Terminal Server an der Uni Augsburg verbinden kann, um auf die Daten dort zuzugreifen. Leider hatte sich der zuständige Mitarbeiter eine falsche IP aufgeschrieben. Daher erhielt ich folgende Rückfrage von ihm: "This ip 132.250.47.103 is American army?" - damit beobachtet mich wohl mittlerweile nicht nur der Mossad, sondern auch das amerikanische Militär...

Mittlerweile habe ich auch begonnen, Hebräisch zu lernen. Und zwar gibt es im Internet bei Wikibooks einen Kurs, zwar nur englisch - hebräisch, aber so lerne ich wenigstens beides ;-) Allerdings bin ich erst dabei, das hebräische Alphabet zu lernen - immerhin konnte ich aber gestern in der Kneipe schon die Namen der Mannschaften, zwischen denen das übertragende Fusballspiel stattfand, auf Hebräisch entziffern (war übrigens ein gutes Spiel zwischen A. Madrid und Barca).

Warum ich hier für meine Erziehung dankbar bin und - wie schon mal angekündigt - was ich mache, wenn mir mal langweilig ist, erzähl ich Euch beim nächsten Mal. Ach ja, der Film Doubt (auf deutsch Glaubensfrage) ist sehenswert!

In diesem Sinne: Stichtag für den großen Preis, Sonnabend in acht Tagen! Tschüüüüssss! (Mit Dank an Christoph für diese Idee zu den berühmten letzten Worten - bin für weitere dankbar)



Dienstag, 17. Februar 2009

Die dritte Woche vollständig und die vierte bis zum zweiten Tag

Irgendwann muss ich mir mal neue Überschriften einfallen lassen...

Also zunächst mal: Ich weiss, dass es in Bayern momentan sehr kalt ist und viel Schnee hat. Gehört sich auch so für die Jahreszeit. Aber: Man hat mir erzählt, dass ich hier in die Wüste fahre. Und dass ich nahezu keine warmen Klamotten brauche. Daran hab ich mich gehalten. Und? Was ist? Dreck-dreck-dreckerter Dreck!!!!!!! Es is ar...kalt hier! Vor allem, da die hier in den Wohnungen auch keine Heizung haben! Gestern sass ich in meiner Wohnung und war froh, wenn ich mich im Bett zudecken konnte. Hab so viel Tee getrunken wie seit meiner letzten Grippe nicht mehr. Und das in der Wüste. Da ist es heiss. (Für Insider: In Italien ist immer Meer.) Und net kalt. So, so viel dazu.

Viel unternommen hab ich nicht, das Wochenende ging fürs Papern drauf, da die eigentliche Deadline von Freitag auf gestern verschoben wurde. Und jetzt haben sie sie nochmals um 1,5 Wochen verschoben. Aber naja, war eh schlechtes Wetter. Jetzt hab ich auch mal einen wirklichen Sandsturm mitgekriegt. Der ist dann nicht so ein Kinderfasching wie der letzte Woche - wenn die hier Sandsturm haben, sieht man kaum noch was, wenn man zum Fenster rausschaut. Blöd ist es dann, wenn man das Fenster offen hat - Der feine Sand fliegt dann im ganzen Büro herum. Das ist auch passiert - aber Gott sei Dank nicht mir.

Bin im Moment stark am Überlegen, mir ein Fussballspiel von Maccabi Netanya anzuschauen - das ist ein israelischer Erstligist, der von keinem anderen als Lodda Maddäus trainiert wird. Morgen wär schon eins, aber da Netanya ein Badeort am Mittelmeer ist, würd ich da lieber mal länger hin, um auch an den Strand zu können. Mal schauen, was sich da noch ergibt - die haben hier ne seltsame Saisongestaltung: Jede Mannschaft spielt 3x gegen jede andere Mannschaft... Der Lothar ist hier übrigens auch bei den Comedy-Shows mit von der Partie - im Gegensatz zu Deutschland ist er allerdings nicht Gegenstand der Witze, sondern sein Double macht sich eher über die Lauffreudigkeit der israelischen Fussballer lustig (im Sinne von: Wir Deutschen dachten immer, dass man beim Fussball laufen muss - hier in Israel hab ich gelernt, dass das auch im Stehen geht).

So, das wars dann auch wieder für heute. Ach ja, noch eine Korrektur, die Link auf meine künftige Wohnung im letzten Blog war falsch, sie liegt stattdessen hier. Und was rauskommt, wenn mir langweilig ist, erfahrt ihr im nächsten Blog.

Ach ja, noch eine letzte Schlussbemerkung: Dieses Blog wurde vom Reinigungspersonal des Zlotowski Dormitory Complex maßgeblich unterstützt. Eigentlich hatte ich vor, heute abend meine Wohnung auf Vordermann zu bringen, aber das hatten dankenswerterweise die Heinzelmännchen übernommen. So hatte ich noch mehr Muse für diese Blog.

In diesem Sinne: Halt die Klappe, ich hab Feierabend! (3:57)

Sonntag, 15. Februar 2009

Die dritte Woche - aber nur bis zum vierten Tag

Dienstag, 17. Februar 2009

Tach, Post!

Heute nur ein kurzer Bericht über mein erstes Wochenende in Beer Sheva.

Also: Begonnen hat alles, dass ich am Freitag vormittag tatsächlich die Mülltonnen im Wohnheim gefunden habe. Bin mir zwar nicht sicher, ob das wirklich der Container ist, der zur Verwendung durch die Bewohner des Wohnheims vorgesehen ist, aber da waren auch andere gefüllte Mülltüten drin, daher kann es mal nicht so falsch gewesen sein. Über das Wohnheim erzähl ich ansonsten jetzt mal nix, das machen wir mit Fotos. Am besten dann, wenn ich auch mal den Waschsalon ausprobiert habe. Hab bislang zwar schon mal gewaschen, aber das hab ich bei Adir erledigt. Also eigentlich wollte ich es bei Adir erledigen, aber dann hat er es sich nicht nehmen lassen. Aber ich werde den Waschsalon auf jeden Fall noch mal aufsuchen ...(für Insider1: So manch einer hat im Waschsalon eines ausländischen Studentenwohnheims schon seine spätere Frau kennengelernt; für Insider2: Katzmeierstrass, soso...)

Nach der Organisation der Müllabfuhr widmete ich mich dann der Historie der Stadt Beer Sheva und suchte das Hanegev Palmach Brigade Memorial auf, eine Gedenkstätte für die israelischen Truppen, die 1948 im arabisch-israelischen Krieg kämpften. Dementsprechend gross war auch der Andrang, ich war ganz froh das ich früh dran war. Schaut Euch mal nur den hoffnunglos überfüllten Parkplatz an:

Oder aber auch dann am Monument selbst musste man aufpassen, dass man nicht überrannt wurde:

Nachdem ich die überwältigenden Eindrücke in mich aufgesogen hatte, begab ich mich auf den anstrengenden Fussmarsch zurück ins Wohnheim. Auf dem Weg fand ich wohl die Sitzbänke mit der interessantesten Aussicht überhaupt habe:

Im Wohnheim dann wieder angekommen, ging ich noch einkaufen, denn Sabbat ist hier Schicht im Schacht. Heisst: Es geht gar nix. Aber es haben nicht nur die Geschäfte von Freitag nachmittag ca. 15.00 bis zum Samstag abend zu - in der Zeit fahren bspw. auch keine Züge. Diese verhindert dann auch meinen eigentlich genialen Plan, mal freitags nach Tel Aviv zu fahren, mal schauen, was Partymaessig geht und dann am naechsten Morgen mit dem Zug heimzufahren. Aber dann muss das auch anders gehen.

Zum Einkaufen hab ich es nicht weit, ich muss also nicht jedes Mal durch den Sandsturm: Im Wohnheim gibt es einen kleinen Supermarkt. Der bietet das notwendigste - unter anderem auch Bier. Das lustige daran ist, dass es an der Stelle, wo das Dosenbier zu finden ist, immer auch Dosenbier gibt - nur eben jedes Mal ein anderes. Bekannte Marken haben sie hier ausser Heineken nicht - aber es gibt ein, zwei, die schmecken ganz ok. Und dort deckte ich mich dann mit Lebensmittel für den Samstag ein.

An diesem ging ich erst einmal zum Joggen. Da der Bauer nicht frisst, was er nicht kennt, bin ich mal die gleiche Strecke losgelaufen wie zu der überfüllten Touristenstätte am Tag zuvor. Was mir beim Gehen nicht auffiel, dafür aber dann beim Laufen: Da geht es bergauf. Und zwar ganz mies, ganz leicht, ganz lang. Des wäre die richtige Strecke für ein tägliches Traningslager. Aber war kein Problem - danach nutzte ich noch eine Strassenüberführung für ein paar Treppensprints.

Aber danach reichte es auch schon wieder mit der sportlichen Betätigung. Adir und ich wollten am Abend noch auf einen Absacker gehen, aber das zerschlug sich dann. Aber ich habe den Deal mitder Wohnung in Tel Aviv fix gemacht - sie liegt hier und damit: Genial!!!

Dafür brachte er mir am nächsten Morgen frische Orangen mit. Er hatte seine Schwester besucht, die direkt neben einer Obstplantae wohnt. Und da wohl die Waehrungen so schlecht stehen, lohnt es sich nicht, die Orangen zu ernten. Daher haengen die jetzt an den Baeumen und jeder, der mag, kann sich welche nehmen. Schmecken aber echt gut.

An der Uni bringe ich die Zeit mit Schreiben an einem Paper fuer die AMCIS zu. Die ist in San Francisco - lohnt sich schon wg. des Orts ;-) Mal schauen, ob das was wird - Hier sind grad die letzten Semesterwochen, daher hat es Adir stressig. Aber das klappt dann schon.

Gestern dann an der Uni brav geforscht und abends waren wir in einem Musical - Guys and Dolls, hatte nie davon gehört. Dabei waren Adir, Nava, Yossi (Navas Mann, mit den beiden war ich in Tel Aviv unterwegs) und ich. Zuvor waren wir - wie immer wenn ich mit Nava und Yossi unterwegs bin - sehr gut essen. Und wieder in einem Lokal, bei dem ich es von aussen nicht gedacht haette. Das Musical war eine Laienaufführung - was man leider auch manchmal merkte. Daher gingen wir auch zur Pause - Adir war vorher ein paar Mal eingenickt und mir ging es auch nicht besser.

Es regnet hier so gut wie nie - denkste. Dauernd schiffts. Ok, bislang zwei Mal, heute schon wieder. Die sind extrem dankbar dafür - Lior, ein Kollege Adirs, mit dem ich heute beim Essen war, war ganz glücklich, weil er seinen Rasen jetzt nicht wässern braucht. Das wiederum hat die Regierung wg. Wasserknappheit untersagt. Aber wenn es regnet, dann nicht stark - und dennoch laufen die hier mit Regenschirm rum, da würde bei uns kaum einer ne Kapuze aufsetzen.

In diesem Sinne: Wir stehen selbst betrübt und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Die zweite Woche

Donnerstag, 12. Februar 2009

Herzlich willkommen zu unserer heutigen Ausgabe von "Marcus fährt nach Israel". Falls Ihnen der Bericht zur ersten Woche zu langweilig war, können Sie gleich wieder aufhören zu lesen - interessanter wird es diese Woche nicht (für Insider: Erwartungsmanagement).

A propos Insider: Einigen Leuten gefiel es nicht, Outsider zu sein - daher hab ich mich entschlossen, auch sie zum Insider zu machen. Zum Stichwort "die ham ganz sche baut, neinzehnzwoarasibzg" siehe das entsprechende Video bei Youtube. Betätige mich ja immer gerne als Verbreiter bayrischer Kultur - wer nun aber wissen will, was es damit auf sich hat, muss sich das Video schon in Ruhe anschauen.

So, aber warum wird es heute langweiliger? Weil ich diese Woche weder am Toten Meer noch in Tel Aviv war, sondern hauptsächlich - wie es sich für einen Forschungsaufenthalt gehört - an der Uni in Be'er Sheva. Erwähne den Ort nochmal, da ich heute herausgefunden habe, dass Be'er Sheva eine Partnerstadt von Rosenheim ist. Zudem hat Yossi Benayoun (wird auf Wikipedia als einer der Söhne der Stadt bezeichnet) im Fussballfreundschaftsländerspiel am Mittwoch zwischen Israel und Ungarn das goldene Tor erzielt. Und da Avigdor Lieberman, der Vorsitzende der Partei "Unser Haus Israel", früher mal als Türsteher in Be'er Sheva gearbeitet hat, kriegen wir auch den Link zu den Wahlen, die hier in Israel am Dienstag stattgefunden haben.

Am dem Tag arbeitete ich von zuhause aus, da zwar der Wahltag kein Feiertag ist, aber trotzdem einfach niemand arbeitet. Daher hab ich den Tag in meinem Zimmer im Wohnheim verbracht - das ich übrigens immer noch nicht bezahlt habe ;-) ach ja, das letzte Foto im letzten Eintrag ist übrigens gar nicht aus dem Wohnheimzimmer - das war ein Zimmer, das ich mir in Tel Aviv angesehen, aber dann nicht genommen habe. Wie ich im letzten Eintrag auch bereits erzählt hatte, waren für Dienstag schwere Stürme angesagt. Da ich dachte, dass diese wohl doch ausbleiben, machte ich mich zu Fuß auf den Weg in die Shopping Mall, um ein Handy zu kaufen. Nachdem ich eine gewisse Strecke zurückgelegt hatte, stellte ich fest, dass der Wetterbericht in Israel doch eine gewisse Aussagekraft hat - wenn auch keine dunklen Wolken aufzogen, pfiff der Wind doch ganz gewaltig. Wer sich jetzt denkt, der soll sich nicht so anstellen, hat vermutlich recht. Aber ich bitte zu bedenken, dass Be'er Sheva am Rande einer Wüste liegt. Und in der Wüste liegt wiederum Sand. Und heftiger Wind + Sand = ? Richtig, Operation Desert Storm. Natürlich hatte ich weder Sonnen-, noch normale Brille dabei. Aber auch mal 'ne Erfahrung. Leider kann ich es nicht auf die schlechte Sicht schieben, dass ich den Weg zur Mall erst nach einer weiteren Erfahrung fand - diese bestand darin, auf einer sechsspurigen Strasse ohne Fußgängerweg ca. 600 m zu überwinden, weil ich die falsche Abzweigung genommen habe (ok, das war bereits die zweite falsche Abzweigung, aber das muss ja niemand wissen). Bei Sandsturm. Für Insider: Hey, Reinhold, Du kanndadst no Nosnboan dabei. Aber ich habe es schadlos überstanden. Im Handyladen dann (inkl. Nummern ziehen, vermute mal, dass sie das eingeführt haben, weil es in Israel zum guten Ton gehört, sich vorzudrängeln) waren 30 Schalter nahezu durchgängig besetzt. Spricht für die Kommunikationsfreudigkeit der Israelis. Und am Ende des Tages hielt ich dann tatsächliche auch eine israelische SIM Card von orange in den Händen. Damit marschierte ich stolz zu einer Restaurantkette namens "Spaghetti", die hauptsächlich mongolische Küche anbietet. Scherz, natürlich italienische. Der obligatorische Wachmann an der Eingangstür war auch ein Scherzkeks: Als er feststellte, dass ich Ausländer bin, fragte er mich: "Any weapons, any explosives?" Als ich den Kopf schüttelte, fragte er: "Need any?" Hab den Witz leider erst kapiert, als ich schon am Tisch saß. Das Essen war ok, sie haben mir freiwillig erzählt, dass es im Menu billiger kommt - halt ähnlich zu McDonalds. Der Heimweg war zwar immer noch windig, aber aufgrund der gemachten Erfahrungen und der daraus gezogenen Lehren war er deutlich kürzer als der Hinweg.

Abends dann schaute ich mir auf BBC World - Kabelfernsehen ist toll, v.a. da alle Filme auf Englisch mit hebräischen Untertiteln kommen - die Berichterstattung zu den israelischen Wahlen an (ok, da kamen keine hebräischen Untertitel) Überraschend war, dass die halbwegs gemäßigte Partei der bisherigen Außenministerin Zipi Livni, Kadima, die meisten Sitze bekam - das sah in den Umfragen eher anders aus. Halbwegs gemäßigt sagt nicht viel, sie war immerhin Außenministerin und unterstützte die jüngsten Angriffe auf Gaza. Zudem lag die rechts gerichtete Partei von Bibi Netanjahu , Likud, nur sehr knapp dahinter. Dritte Partei war dann die oben angesprochene von Lieberman, die noch weiter rechts ist. Überhaupt gewannen rechte Parteien mehr als die Hälfte aller Sitze - allerdings müssten bis zu sechs Parteien eine Koalition bilden, die die Mehrheit hat. Zudem ist noch nicht sicher, wer mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Sprich: Man erwartet, dass sich das ganze noch hinzieht (sie haben sechs Wochen zur Bildung einer Regierung Zeit). Zudem dürfte die Regierung dann einigermassen instabil und nur sehr eingeschränkt bereit zu Geprächen mit den Vertretern der Palästinenser. Sprich, genau das, was die Amis nicht wollten. Armer Obama - Du hast Dir nen Sch... Job ausgesucht...

Ach ja: Über die Holocaust-Leugnungs-Geschichte wird hier kaum berichtet.

So, und gestern und heute hab ich wieder geforscht. Dabei habe ich wieder ein untrügliches Indiz dafür gefunden, dass Wasser Mangelware ist in Israel: Die Pissoirs an der Uni funktionieren ohne Wasser: http://www.waterless.co.il/ Scheint zu funktionieren - wenn wir jetzt noch auch deutsche Frauen dazu bringen, die von Susan Stahnke beworbenen oder vorgestellten oder was auch immer Urinale zu verwenden - wieder hätten wir eine Möglichkeit gefunden, Wasser zu sparen. Ach ja, eine Vorschrift hier in Israel macht sehr Sinn, nämlich dass Heisswasser mit Sonnenkollektoren erzeugt werden muss. Not macht erfinderisch.

In diesem Sinne: Mehr wenn Ihr mich wiederseht, Ihr müsst unbedingt gucken, wie's weitergeht...

Montag, 9. Februar 2009

Die erste Woche




Samstag, 31. Januar 2009

Hallo, ich melde mich live aus dem Flughafen München. Naja, live ist es nicht mehr, wenn Ihr das lest, aber es klingt einfach gut.

Zunächst: Ich finde es waaaaahnsinnig toll ein Blog zu schreiben, fühle mich krass cool dabei und bevor es ganz peinlich wird erzähl ich jetzt lieber einfach mal:

Vor meiner Abreise hatte ich mich bzgl. Fliegen nach Israel schau gemacht und dabei so einige Erfahrungsberichte im Internet gelesen. Wie es sich bis jetzt bei mir tatsächlich abspielte, erzähle ich mal als erstes. Eine Information, die ich hatte, lautete, dass man zur Sicherheit vier Stunden vor Abflug einchecken sollte. Ohne, dass sich jetzt bitte jemand darauf beruft, falls er/sie mal nach Israel fliegen möchte: Die entsprechende Halle im Bereich F des Münchener Flughafens Franz Josef Strauss machte erst drei Stunden vor dem Start meines Fluges auf, so dass ich – zusammen mit Mama und Thomas – erstmal noch eine Stunde in einem gemütlichen, anheimelnden Warteraum verbrachte (hab leider kein Foto gemacht, ich gelobe diesbzgl. Besserung!). In dem Zusammenhang noch der Hinweis, dass es wahrscheinlich wenige Wege gibt, zu dem Bereich F zu kommen, die noch umständlicher wären, als den, den wir gewählt haben. Zur Erläuterung: Alle Flüge nach Israel starten in München von einem gesonderten Bereich (eben F) aus, für den ganz besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen gelten: Zwar standen – wie mir aus anderen Quellen berichtet worden war – keine Panzer vor dem Eingangsbereich, aber der Anblick von Maschinengewehren bot sich desöfteren. Zudem war der erste Anblick, den die Polizisten an diesem Morgen nach dem Aufschliessen der Halle genossen, herrenloses Gepäck, was die Stimmung gleich noch ausgelassener machte ;-) Die Sicherheitskontrollen waren in München wie angekündigt äußerst ausführlich – wobei ich es mir schlimmer vorgestellt hatte. Schauen wir mal, wie das dann in Tel Aviv wird. Um jetzt aber wieder auf die umständliche Anreise zu kommen: Wir parkten vor dem Bereich B, wurden dann von einem sehr freundlichen (mein ich ernst) Polizisten zum TUIfly.com-Schalter im Zentralbereich geschickt, was allerdings falsch war, da – wie bereits erwähnt – Flüge nach Israel von F aus starten. Also begaben wir uns zu Fuß in die entsprechende Richtung, was durchaus dauerte (siehe Plan, und für Insider: „die ham ganz sche baut, neinzehnzwoarasibzg“). Und jetzt beginnt die Story wieder oben beim Einchecken ;-)

So, ich sitz mittlerweile im Warteraum zum Einsteigen und beobachte Leute; der Typ hinter der Kaffeebar beendet jedes seiner Telefonate mit „CiaoCiao“ - Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig ;-) In diesem Sinne: That's all folks!

Sonntag, 1. Februar 2009

Um die Spannung abzukürzen: Ich hab es durch die Kontrollen geschafft und sitze mittlerweile in meinem Büro an der Ben Gurion University of the Negev, ungefähr hier.

In der dortigen Cafete (dazu gibt es jetzt keinen Link) habe ich draußen bei strahlendem Sonnenschein mittlerweile auch meinen ersten Capuccino getrunken. Aber alles der Reihe nach:

Der Flug gestern war, wie so ein Flug halt ist: Wenn man es tatsächlich geschafft hat, einzuschlafen, bringen sie einem das Essen. Ansonsten hat er nur drei Stunden gedauert (ich glaube, ich habe immer erzählt, dass es mehr als vier Stunden Flugzeit sind). Allerdings hatten sie auf den Monitoren im Flieger einen Fehler in der Anzeige der Uhrzeit, so dass ich dachte, ich würde zwei Stunden zu früh ankommen und somit nicht abgeholt werden – aber alles unbegründet. Zu den Sicherheitskontrollen am Flughafen: Aufgrund meines gefährlichen Äußeren wurde ich (als Stichprobe gleich nachdem ich aus dem Flugzeug gestiegen war) kontrolliert – alle anderen durften weitergehen. Ging dann aber relativ zügig weiter. Als nächstes ging es zur regulären Passkontrolle und als mich der dortige Beamte tatsächlich fragte, wo ich denn studieren würde (ich habe ein Studentenvisum), dachte ich: „Au ja, jetzt geht’s los!“. Als er mir dann aber nach meiner Antwort den Reisepass zurückgab und keine vier Beamten mit Maschinengewehren (solche waren am Flughafen in Tel Aviv übrigens überhaupt nirgendwo zu sehen) auf mich los stürmten, machte ich mich auf die Suche nach meinem Gepäck und der „richtigen“ Kontrolle. Aber nachdem ich ersteres vom Band genommen hatte, stand über der nächsten Tür „Exit“ - und hinter dieser wartete dann Adir (Even, mein „Gastgeber“ an der Uni) bereits, um mich abzuholen. Lange Rede, kurzer Sinn: So schlimm waren die Kontrollen nicht.

Mit Adirs Auto fuhren wir dann ca. 50 min nach Beer Sheva, wo er wohnt und auch die Uni ist, wir arbeiten werden. Wir aßen in Adirs Wohnung zu Abend (es gab sehr guten Fisch) und gingen dann noch in eine Studentenbar. Es war nicht allzu viel los, da der Samstag in Israel ja so was wie der Sonntag ist: Das Wochenende findet auch nicht Samstag/Sonntag statt, sondern – da ja der Sabbat der höchste Feiertag ist – Freitag/Samstag. Danach war ich dann auch müde genug...

Und da ja der Sonntag entsprechend kein Feiertag ist, ging es heute morgen dann an die Uni und ich erhielt eine ausführliche Campustour. Zudem war diverser Kleinkram bzgl. Orga (E-Mail-Zugang, Studentenausweis, Wohnung) zu erledigen. Derzeit kämpfe ich damit, mein Notebook ans Netz zu kriegen und daher kann ich mich leider nur eingeschränkt meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung, dem Forschen, widmen. Aber nicht minder gerne erzähle ich – auch offline – in diesem Blog, was sich hier um mich rum so alles tut...

In diesem Sinne: Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!

Montag, 2. Februar 2009

Der Kampf ums Notebook ans Internet ist noch nicht zuende. Und wie vielleicht auch der/die eine oder andere mitgekriegt hat, leider auch die Kämpfe im Gaza-Streifen noch nicht. Allerdings kriegt man hier unmittelbar nahezu gar nichts davon mit – man liest es in den Nachrichten wie in Deutschland auch. Und um weiter zu beruhigen: Seitdem Saddam Hussein während des ersten Golfkriegs Scud-Raketen auf Israel abfeuerte (ok, wo bisher die Beruhigung herkommen soll, frag ich mich auch gerade, aber das wird schon noch), muss in Neubauten auf israelischem Gebiet mindestens ein Raum in jeder Wohnung speziell verstärkte Wände haben, die den Einschlag einer Scud-Rakete schadlos überstehen. Und in so einem Raum habe ich die letzten beiden Nächte geschlafen. Die derzeit – auch heute wieder – von den Palästinensern abgefeuerten Raketen haben bei weitem nicht die Durchschlagskraft einer Scud-Rakete – erstere durchschlagen kaum eine „normale“ Wand (wenn man das weiss, fragt man sich noch noch viel mehr, wieso die Palästinenser diese dann überhaupt abfeuern und erst recht, wieso die Israelis so übermäßig reagieren).

Gestern abend waren Adir und ich noch in einem marokkanischen Restaurant: Ich nehme also tatsächlich immer exotischere Dinge zu mir. Falls jemand irgendwann mal nach Beer Sheva kommen sollte: Unbedingt hingehen. Die Adresse muss ich noch erfragen...

Heute kümmerte ich mich dann zunächst mal um ein Hotel in Tel Aviv, da ich dort das kommende Wochenende verbringen will, um mich nach einer Wohnung umzuschauen und – aber nur wenn Zeit bleibt ;-) - evtl. das Nachtleben zu testen. Mal schauen, was aus der Wohnungssuche wird – Tel Aviv ist extrem teuer. Nach der Uni waren wir noch in einem Einkaufszentrum, welches – aufgrund des seltenen Regens – allerdings nicht überdacht ist wie bei uns. Stattdessen stehen dort einfach rund um einen riesigen Parkplatz eine Menge Läden drumherum. Und davon gibt es nicht eines, sondern gleich zwei nebeneinander: Denn wenn es in Beer Sheva eines gibt, dann ist es billiges Bauland: Rund um die Stadt herum ist Wüste. Ach ja: In einem Sportgeschäft war neben den Wappen von Liverpool, ManU, Real Madrid und Juve auch noch das Wappen von – na, wer weiß es? Richtig!!! Dem glorreichen FC Bayern München! Oleoleole!

Gekauft hab ich allerdings nix, waren ja eher Sachen für den israelischen Winter (und ich bin eher auf den israelischen Sommer eingestellt). Danach waren wir noch in einem Burger-Restaurant, das zu einer Kette gehört, die ein israelischer Starkoch gegründet hat. Was aber irgendwo schade ist: Dort unten gibt es genau dieselben Marken wie bei uns, es sind dieselben Sachen in und aus den Lautsprechern in den Geschäften kommt fast die gleiche Musik wie uns (ok, bei letzterem gab es Unterschiede). Aber würden einen nicht Kontrolleure beim Betreten der Läden die Taschen untersuchen, könnte man glauben man ist bei uns. Ok, noch eine Relativierung: Die Schrift sind ganz anders aus...

Hoffen wir, dass dieses NB morgen online geht ;-)

In diesem Sinne: Hastalavista, Baby!

Sonntag, 8. Februar 2009

Sodele, der Kampf NB gegen Kaiser steht unentschieden – die letzten Tagen hatte ich es erfolgreich am Netz, aber seit ca. 1,5 Stunden zickt es wieder rum. Aber eines nicht mehr fernen Tages... Immerhin hab ich vorhin noch mitbekommen, dass die Bayern gewonnen haben – wobei es das letzte Tor nicht mehr gebraucht hätte, hat meinen Tipp kaputt gemacht. Sooooo schlecht war ich noch nie... Aber das wollt Ihr ja alles gar nicht lesen.

Aaaalso, am letzten Dienstag war ich zunächst wieder an der Uni und hab brav geforscht. Ansonsten wenig Vorkommnisse, außer das ich mein Zimmer im Wohnheim bezogen habe (bis dahin hatte ich bei Adir Quartier gefunden). Das Zimmer ist sehr geräumig, hat Internet (sofern es funktioniert, siehe neverending story) und Kabelfernsehen (allerdings nur schwarzweiß – immerhin haben Sie aber gestern abend irgendwo Gladbach gegen Hoffenheim als Wiederholung mit hebräischem Kommentar gebracht). Es sind eigentlich zwei Zimmer, also wer mich besuchen will, hier gibt es genügend Platz (darauf komme ich später noch). Die Einrichtung ist nicht die neueste, aber es ist alles da (Kühlschrank, Mikrowelle, Herdplatten, Dusche – und es funktioniert alles auch ;-)

Übernachtet habe ich aber von Dienstag auf Mittwoch wieder bei Adir, weil wir am nächsten Morgen für einen Tagesausflug ans tote Meer fuhren. Um ans tote Meer zur gelangen, fuhren wir Mittwoch früh dann eine Stunde nochmal richtig in die Wüste. Dort kann man durchaus auch mal von der Landschaft beeindruckt sein, wie man auf den untenstehenden Fotos erkennen kann. Zunächst fuhren wir mit einer Seilbahn zur Festung Masada hinauf. Wir hätten gerne auf dem sogenannten Schlangenpfad zu Fuß die 400 Höhenmeter überwunden, waren aber aufgrund des vollen Programms für den einen Tag leider gezwungen, die Seilbahn zu nehmen. Die geschichtlichen Details könnt Ihr auf Wikipedia nachlesen, von meiner Seite aus nur soviel: Es ist ein äußerst beeindruckendes Bauwerk, was auf diesem abgelegenen Felsen entstanden ist. Dort oben konnten sich mitten in der Wüste ca. 900 Juden vier Jahre lang der Belagerung der Festung durch die Römer erwehren, weswegen dieser Felsen heute ein Nationaldenkmal ist und quasi jeder israelische Schüler da mal an einem Wandertag rauf muss. Wer dort mal hinkommt, sollte undbedingt das Museum besuchen - hier gibt es eine sehr interessante Audio-Führung. Hier nun noch ein paar Fotos , um einen Eindruck zu vermitteln, wie es da oben aussieht. Und: Ja, es war heiß.

Ähnliches wie für Massada gilt bzgl. der Verwendung als Ziel für Wandertage auch für den Nationalpark En Gedi, welchen wir als nächstes Ziel ansteuerten. Im Unterschied zu Massada waren dort aber auch an diesem Tag eine Menge Schulkinder unterwegs. Im wesentlichen besteht der Nationalpark aus zwei tiefen Schluchten, in denen jeweils ein Bach fließt. Ist ansatzweise vergleichbar mit Gebirgsbächen bei uns, allerdings ist die Vegetation dort eine ganz andere: Nur ein paar Meter weg vom Bach wächst gar nichts mehr. Zudem haben sich dort Pflanzenarten entwickelt, die es nur dort und sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Das hat mir Adir aber erst gesagt, als wir schon fast wieder draußen waren ;-) Im Bach badeten an verschiedenen Stellen Schulklassen (insgesamt ein Riesenhaufen Jugendliche – für Insider: „die Anni sagt auch, es gibt immer mehr Jugendliche“). Und zwar in voller Klamottenmontur – deren Trocknung war bei 35 Grad auch kein Problem. Jeweils am Ende der beiden Schluchten war ein Wasserfall. Der eine war nicht ganz so hoch, dafür war die Schlucht länger. Dort aus einem Felsvorsprung hervorwachsende Pflanzen, bezeichnete Adir als die Haare der Salome – ich muß zu meiner Schande gestehen, dass ich die entsprechende Geschichte (wohl aus der Bibel) nicht kenne.. Der andere Wasserfall war höher und – wie ich finde – auch schöner, auch wenn es dort keine Haare von irgendjemandem gab. Aber macht Euch selber ein Bild – ich hab hierzu mehrere gemacht:

Als Abschluß des Tages ging es dann noch ins Tote Meer – was von beiden vorherigen Tagespunkten aus zu sehen war. Ein paar vielleicht interessante Infos hierzu: Das tote Meer ist de r tiefste Punkt auf der Erde, ca. 400 m _unter_ dem Meerespiegel. Es hat einen derart hohen Salzgehalt, dass in ihm nichts außer ein paar Bakterien überleben kann. Aktuell ist es vom Austrocknen bedroht – die ganze Region leidet an Wassermangel, in Israel hat es dieses Jahr so wenig geregnet wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Es gibt Pläne, einen Kanal vom Mittelmeer zum Toten Meer zu graben, um die Bewässerung sicherzustellen. Mal schauen, was daraus wird. Aber zu guter Letzt zum wichtigsten: Ja, man geht tatsächlich nicht unter im Toten Meer – man legt sich ins Wasser und man treibt, als ob man einen Schwimmreifen um hätte (ich will keine Kommentare über meinen Bauchumfang hören, auch andere Menschen gingen nicht unter). Aber seht selbst:

[Fotos gibts später, das dauert hier eeeeewig mit dem Raufladen]

Und das war dann auch der letzte Punkt am Mittwoch: Ich verbrachte die erste Nacht in meinem neuen Heim.

Am Donnerstag war dann wieder Uni und damit Forschen angesagt. Abends fuhr ich dann mit dem Zug nach Tel Aviv. Hierzu muss gesagt werden, dass das Wochenende in Israel am Freitag und Samstag „stattfindet“, da der „Schabbat“ der höchste Feiertag in der Woche ist. Also fuhren mit mir am Donnerstag abend alle Studenten von Beer Sheva nach Tel Aviv. Aber nicht nur Studenten, es waren vor allem auch viele junge Männer und Frauen in Militäruniform unterwegs. Denn in Israel müssen alle jungen Menschen für zwei Jahre zu der Armee. Verweigerer gibt es so gut wie keine. Dies hat natürlich eine hohe Militarisierung der Gesellschaft zur Folge. Aber es entstehen während dieser Zeit auch viele Freundschaften, die oftmals im späteren Berufsleben zu Geschäftsbeziehungen werden. Und viele der Militärs tragen einfach so eine MP (oder MG, ich kenn mich damit Gott sei Dank nicht aus) über der Schulter – an den Anblick muss man sich erst gewöhnen, v.a. wenn man im Zug auf der Treppe sitzt (es war ein zweistöckiger Zug, exakt so wie man ihn auch in Deutschland kennt, konnte leider nicht herausfinden, ob ihn eine deutsche Firma gebaut hat) und ein Soldat einem so eine MP im Vorbeigehen kurz ins Gesicht hält – als ob es ein Regenschirm wäre.

Die erste Nacht des Wochenendes verbrachte ich in einem Hostel, was zum Übernachten sehr ok war, einen ganzen Urlaub möchte ich da nicht verbringen. An diesem Abend war ich nur noch was essen, da ich müde war.

Am Freitag dann – Erinnerung: ist wie bei uns am Samstag – war ich dann zunächst am Carmel Market, was ein Händlermarkt ist, wie man ihn öfters findet. Aber es gibt auch Lebensmittel dort. In seinem Umfeld finden auch künstlerische Vorführungen statt. Wesentlich interessanter fand ich einen Künstlermarkt: Dort wurden zwar hauptsächlich überflüssige Dinge verkauft, aber dafür die schönsten und am wenigstens kitschigen Dinge, die ich jemals gesagt habe. Wer also noch auf der Suche ist nach Einrichtungsgegenständen, sollte sich auf diesem Markt umschauen. Danach schaute ich mir noch ein paar Apartments an und ich kann Euch sagen: Tel Aviv ist sch...teuer. 20 Quadratmeter kosten 500 EUR. Falls mich also jemand besuchen kommen will: Ich muss Miete verlangen, sonst ruiniert mich dieser Aufenthalt ;-) Es waren auch ein paar ganz interessante dabei, befinde mich aber derzeit noch in der Entscheidungsphase. Danach traf ich mich mit einem Professorenehepaar, welches an der gleichen Fakultät arbeitet wie Adir. Die beiden sind Ende 50, unglaublich freundlich und hilfsbereit, weswegen ich auch bei Ihnen übernachten durfte. Nachdem wir unglaublich gut und gleichzeitig günstig essen waren (ich muss die beiden nochmals nach dem Lokal fragen), machte Nava eine Rundfahrt durch Tel Aviv mit mir, damit ich die Stadt kennen und mich in ihr orientieren lerne. Und ich darf sagen: Die Stadt hat was. Definitiv. Aber davon werde ich bestimmt noch erzählen. Zudem zeigte sie mir die Gedenkstätte an dem Platz, an dem Itzak Rabin erschossen wurde – für viele Israelis war der 4. November 1995 der Tag, an dem der Frieden starb. Am Abend war ich dann noch zum Essen eingeladen. Nirit, die deutsch-israelische Sängerin der Band Klezmorim hatte in einem deutschen Newsletter eine Ferienwohnung in Tel Aviv inseriert und die habe ich mir angeschaut. Ist gut möglich, dass das meine Wohnung für die nächsten Monate wird – auch wenn sie sauteuer ist (es gilt das oben gesagte ;-) Der Rückweg führte mich am Strand entlang, der ca. 4-5 km lang ist – dort sollen im Sommer die Parties abgehen, weil es in den Clubs zu heiß ist. Kann ich mir vorstellen, denn weniger als 20 Grad hatte es zu der Zeit, als ich dort lustwandelte, bestimmt nicht. Aber das Nachtleben interessiert mich nicht – Euch ja sicher auch nicht... In diesem Sinne: A bisserl was geht immer...

Montag, 9. Februar 2009

Zwischenstand Notebook ans Netz vs. Kaiser: Derzeit liegt Kaiser vorn, aber die Frage ist, bringt er den Vorsprung über die Zeit? Des Kaisers Antwort: Schau mer mal. Den Samstag / Sabbat dann verbrauchte ich am Meer. Nicht in herkömmlichen Sinne, sondern den gesamten Tel Aviver Strand nochmals von Norden nach Süden durchwandert. Im Norden wurde der alte Hafen von Tel Aviv in ein Vergnügungsviertel umgebaut: Es scheint, als träfe sich die halbe Stadt hier am Sabbat in den Cafes zum Frühstück. Daneben gibt es noch einige Geschäfte und auch die „angesagtesten“ Clubs sollen dort sein – aber um letzteres herauszufinden, war ich wohl zu spät dran: Partynacht ist wohl von Freitag auf Samstag. Auf jeden Fall konnte man da ganz gut rumsitzen und Leute beobachten. Danach beäugte ich den Strand bei Tageslicht und auch, wenn die wenigsten schon Badesachen anhatten, der Strand war gut gefüllt. Ins Wasser gingen aber noch kaum Leute – wahrscheinlich besteht da eine Korrelation zum „Badesachen anhaben“... Am Nachmittag war ich dann noch in Jaffa, die ursprüngliche Siedlung, aus der Tel Aviv entstand, näheres hier. Abends ging es dann per Bus zurück nach Be'er Sheva – öffentliche Verkehrsmittel sind sehr günstig: Die Busfahrt kostete nur 15 Schekel (das ist die israelische Währung, entspricht rund 3 EUR), die Zugfahrt hin ca. 25 Schekel (wieviel EUR das jetzt sind, könnt Ihr mit dem Dreisatz selbst ausrechnen ;-)

So, die letzten beiden Tage habe ich dann wieder an der Uni zum Forschen verbraucht. Und um dieses Blog fertigzustellen. Und jetzt muss ich es noch online kriegen ;-) Für morgen sind in Israel einerseits Wahlen, andererseits die schwersten Unwetter seit der Staatsgründung angekündigt. In diesem Sinne: Schau mer mal!