Mittwoch, 29. April 2009

Weiter mit der Woche von damals...

... als unser Korrespondent in Jerusalem war.

Aber wir waren ja schon in Tel Aviv - und zu guter letzt schauten wir uns noch Jaffa an. Da wir vom zu Fuß gehen genug hatten, beschlossen wir, uns den Luxus eines Taxis zu leisten. So ein Luxus war es dann aber nicht, da die Fahrerin eine dermaßen verrauchte Stimme hatte, dass man Angst hatte, Lungenkrebs zu kriegen. Zudem funktionierte das Taxometer nicht, was sie mit mehrmaligem Ausruf des Wortes "Shit" und wildem Einhämmern auf die Tasten des Taxometers beantwortete (für Insider: Da war sie wieder, die Angst...) und zu dem Schluss gelangte "Oi kann nt wrk todai!" Wir haben einen dementsprechend Tarif ausgehandelt.

In Jaffa begannen an dem Tag die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Tel Aviv. Ob der
gemischte Chor von offensichtlich Touristen und Einheimischen (welche wohl die Touristen abzocken wollten), der auf einem Segelboot sein Repertoire zum besten gab, auch zum offiziellen Programm gehörte, konnten wir nicht herausfinden. Aber sie waren immer im Hintergrund bei der offiziellen Veranstaltung: Einem Bauchtanz. So setzte sich die Reihe "Was Marianne kann, darf sie sich in Tel Aviv mal anschauen" fort: Wir hatten am Tag zuvor auch schon in der Shenkin Street in Tel Aviv einer Capoeira-Gruppe zugesehen. Danach durchstöberten wir noch die verwinkelten Strassen und Treppen der Altstadt von Jaffa, immer auf der Suche nach den neuesten Motiven:
Und wir lagen auch richtig damit, die Fotos selber zu machen - Amis können einfach keine Bilder machen:
Tja, nach unserer Rückkehr gingen wir noch zum Essen und hielten uns bis halb vier morgens wach - unter anderem mit dem Film Die Scheinheiligen. Dann fuhr Marianne mit dem Taxi zum Flugfafen - und mein erster Besuch war wieder weg. Aber, schee war's, gell?

In diesem Sinne: Junge, komm bald wieder...

Dienstag, 28. April 2009

Die Woche der Einschübe

Völlig aus dem Zusammenhang: Der israelische Gesundheitsminister (gehört einer ulra-orthodoxen Partei an) hat angekündigt, dass die Schweinegrippe nicht so genannt wird, weil Schweine nicht koscher sind. Stattdessen wird sie als Mexikanische Grippe bezeichnet.
Der Mann hat offensichtlich erkannt, was bei einer möglichen Pandemie zu tun ist: Erst mal dem Feind einen anständigen Namen geben. Da fühlt man sich gleich sicherer.
Die Quelle: http://www.haaretz.com/hasen/spages/1081515.html

Montag, 27. April 2009

Exkurs der Woche: Woche der Feiertage

Wahrscheinlich werd ich den Erzählrückstand nie aufholen, aber dennoch bring ich heute was aktuelles und erzähl was über den Gedenkmarathon, den die Israeli vergangene und diese Woche absolvieren.

Vergangene Woche war der jährliche Gedenktag an Holocaust, Jom haScho'a. Der Trauertag kündigte sich mir dadurch an, dass mir auf meinem Heimweg vom Bus die am Weg liegenden Restaurants mehrwürdig ruhig vorkamen - kein Wunder, sie waren auch geschlossen. Als dann auch der 24h-Supermarkt zu hatte, dachte ich kurzfristig daran, ob ich vielleicht eine Raketenwarnung o. ä. nicht gehoert hatte. Aber dann fiel mir ein, dass wir an der Uni ueber den Holocaust Memorial Day gesprochen hatten und brachte dann doch zwei und zwei zusammen (Exkurs am Rande: So ein 24h-Supermarkt sperrt ja normalerweise nie zu - die mussten dann tatsächlich einen Wachmann abstellen). In Radio und Fernsehen gibt es wohl auch hauptsaechlich Dokumentationen und beschauliche Musik. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Vorabend eines israelischen Gedenktages gibt es keinerlei Unterhaltungsveranstaltungen und auch die Läden sind zu. Sämtlich. Am nächsten Morgen dann um 10.00 läuteten im ganzen Land die Sirenen. Für exakt zwei Minuten. Ansonsten machten dann aber auch die Geschaefte wieder auf und alles ging seinen gewohnten Gang.

Gestern war wieder so ein Abend, weil morgen wieder so ein Tag ist, nämlich der israelische Gedenktag für die Soldaten, Jom haZikaron. Abends fand auf dem Rabin Square eine Gedenkveranstaltung im Freien statt, die auch live im israelischen Fernsehen übertragen wurde (Den Platz hatte ich ja schon in meinem ersten Posting beschrieben - lang ist das schon wieder her). Eigentlich hatte ich nur vor, mich unters Fussvolk zu mischen und dem ganzen als Zaungast beizuwohnen. Aber gerade, als ich aus dem Haus ging, rief Nava mich an, sie und Ihr Mann Yossi hätten noch eine Einladung, die für einen Sitzplatz gelte und ich sollte mich melden, sobald ich am Platz bin. Und dann natürlich brach Hektik aus, den vorher häte es nicht viel ausgemacht, wenn ich ein paar Minuten zu spät gekommen wäre. Nun aber... Ich nahm also ein Taxi, allerdings fuhr es mich nicht bis ganz zum Platz, weil der Fahrer Angst hatte, dass er dann nicht mehr umdrehen kann (völliger Schwachsinn natürlich). Aber ich kam gerade zum offiziell geplanten Beginn rechtzeitig um 20.45 an den Platz. Nun musste ich noch an meine Karte kommen - Yossi wartete innerhalb des abgesperrten Bereihcs auf mich und drückte mir die Einladung in die Hand. Das sah einer der Kontrolleure und sie hatten mich auf dem Kieker - Yossi musste erst noch hart verhandeln, bis sie mich tatsaechlich hinein liessen. Aber dann ging es doch - und der Beginn der Veranstaltung liess noch einige Zeit auf sich warten. Hätte also die ganze Eile nicht gebraucht - typisch Deutscher in Israel halt ;-)

Die Zeremonie bestand im Wesentlichen aus drei Elementen, die sich abwechselten: Zum einen sprach ein Moderator, zum anderen wurden auf Leinwaenden Filme ueber Soldaten, die im Dienst der israelischen Armee Ihr Leben liessen, gezeigt. Zum dritten trugen - wohl namhafte - israelische KünstlerInnen ruhige, aber starke Lieder vor. Einige der Lieder wurden von den Soldaten, welche die Videos zeigten, geschrieben. Zwischen den einzelnen Teilen gab es keinen Applaus. Nur Stille.

Beim ersten Video hab ich mich noch ein wenig geärgert. Es ging über einen Soldaten, der beim letzten Gaza-Angriff fiel. Ich dachte: Und was ist mit den ueber 1400 Arabern, die ums Leben kamen? Wie kann man einem einzelnen israelischen Soldaten Gedenken, ohne ein Wort ueber die anderen verlorenen Menschenleben zu verlieren (wobei ich zugegebenermassen auch nicht alles verstand, die Veranstaltung war auf Hebraeisch: Vielleicht wurde auch etwas dazu gesagt). Wieso wird die Mutter dieses einzelnen befragt und die Muetter der anderen ums Leben gekommenen nicht? Wo sind die Bilder und Videos aus der Jugend der sonst Gefallenen, auf denen man sieht, dass es ganz normale Jungen waren?
Aber im Laufe der Veranstaltung bin ich dann drauf gekommen, dass jedem einzelnen Leben, das durch kriegerische Auseinandersetzungen frühzeitig beendet wird, gedacht werden sollte und - wie schreibt Robert Saviano in seinem Buch Gomorrha über einen seiner Gedanken: in seiner Einfacheit an Schwachsinn grenzend - Krieg an sich einfach scheisse ist. Und das, unabhängig welcher Nation oder welchem Volk der einzelne Tote angehört.
Die weiteren Videos zeigten dann noch immer deutlicher den ganzen Irrsinn verdeutlichen: Ein Junge war überzeugter Pazifist, trug lange Haare, Bombenleger (für Insider: Boygroup-Beidl) würde man bei uns sagen. Er hat dann auch den Wehrdienst verweigert. Aber nach einem Jahr hat er es sich anders überlegt und ging doch zur Armee. Und da verlor er dann sein Leben. Er schrieb eines der Lieder, welches gestern interpretiert wurde.
Ein anderes Video gint über einen Soldaten, der sich über eine scharfe Granate geworfen hat, um das Leben der Umstehenden zu retten.
Im nächsten Video wurden Bilder eines jungen Mannes gezeigt, der durch friendly fire (Beschuss der eigenen Truppen) ums Leben kam.
Noch ein Soldat kam bei einem Selbstmordanschlage durch Palästinenser ums Leben. Der Irrsinn: Er war selbst arabisch-stämmig.
Und zu schlechter Letzt kam im letzten Gazafeldzug ein Soldat ums Leben, dessen Vater an der Ben Gurion Universität - also da wo ich auch bin - Professor ist. Nava kannte den Professor und auch den Sohn: Der kam nämlich als Junge schon an die Uni in Vorlesungen, weil er ein kleines Mathegenie war. Und jetzt ist er tot.

Nur der erste und der letzte beschriebene Soldat kamen in der Operation Gegossenes Bleium. Die anderen Faelle waren davor. Das macht einem erst deutlich, dass Israel und seine Nachbarn seit Jahrzehnten in diesem Zustand leben.

Heute ist nun der offizielle Gedenktag. Gerade bei aelteren Israeli, die oftmals Angehoerige sowohl im Holocaust als auch in den Kriegen verloren haben, verursacht die Erinnerung danach - ja auch gewollt - eine depressive Stimmung hervor. Morgen ist dann dafuer Unabhaengigkeitstag - ab heute abend geht diesbzgl. die Party ab: Feuerwerke, Veranstaltungen, Jubelfeiern. Fuer die aelteren Israeli ist das natuerlich auch sehr passend... Und die Araber bezeichnen den israelischen Unabhängigkeitstag als Tag der Katastrophe - soviel zur Stimmung in dem Land...

In diesem Sinne: Sag mir, wo die Blumen sind...

Freitag, 24. April 2009

Werbung der Woche - Stay tuned...

... we will be right back with the report from our correspondent in Jerusalem!!!

Muss heute tatsächlich ein wenig Werbung machen, und zwar für meine bereits mehrfach erwähnte Nachbarin und Vermieterin Nirit. Ich muss sie allerdings nicht machen, vielmehr mach ich sie gerne...

Ich hab ja schon ein paar Mal erzählt, dass sie Sängerin einer Band ist, die sich Klezmorim nennt. Mit dieser sowie mit der palästinensisch-stämmigen Sängerin Mouna Sabbagh zusammen gestaltet Nirit (als Israeli) nun in Deutschland einen Abend, in dem es um die Unterschiede, aber vor allem um die Gemeinsamkeiten zwischen Palästinensern und Israeli geht. Das Programm enthält Theater-, Musik- und Gesangselemente. Es ist quasi eine Uraufführung und findet "leider" in Markt Schwaben statt - aber zumindest den Münchnern möchte ich es ans Herz legen; die S6 fährt ja nach Markt Schwaben. Unten findet Ihr die offizielle Werbemail - näheres zum Projekt SalamShalom findet Ihr (mal wieder) auf MySpace. Würde mich freuen, wenn der eine oder die andere dorthin schauen würde - und Nirit einen Gruss von mir bestellt.

Werde die Ankündigung auch noch per Mail verbreiten - also nicht böse sein, dass ich Euch zuspamme ;-)

Liebe KLEZMORIM-Freunde,
nach langer Pause erlauben wir uns eine frühe Ankündigung:



Ein Abend für Frieden und Völkerverständigung
mit Orientalischem Ausdruckstanz,
israelischen Liedern und Klezmer-Jazz

Samstag, 9. Mai 2009, 20 Uhr
Katholisches Pfarrheim
Webergasse 5, Markt Schwaben


Mouna Sabbagh KLEZMORIM Nirit Sommerfeld

„Wir weigern uns, Feinde zu sein!“

Telefon. Kartenreservierung unbedingt erbeten unter: 08121 – 400 40
Eintritt: 12 € / erm. 8 €

...und freuen uns auf Sie/Euch!

Herzliche Grüße senden
aus München, Aleppo und Tel Aviv
KLEZMORIM mit Nirit Sommerfeld
und Mouna Sabbagh
www.myspace.com/salamshalom

Mittwoch, 22. April 2009

Müsste immer noch die gleiche Woche gewesen sein

Und dann kam er: Mein erster Besuch. Marianne wagte als erste die gefährliche Reise in das Land, in dem ich mich mittlerweile ziemlich wohl fühle. Und es ist einfach so: Sobald man zu zweit unterwegs ist, unternimmt man mehr: Nachdem ich sie am Nachmittag vom Flughafen abgeholt hatte, waren wir abends beim Hummus-Essen und streiften dann lediglich noch in der Gegend um meine Wohnung umher.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf zu "die Heilige", wie Jerusalem übersetzt heisst. Hierzu nutzten wir nicht nur innerhalb Tel Aviv einen Sherut der Linie 5, um bis zu deren Endstation an den zentralen Busbahnhof zu gelangen, sondern von dort auch wiederum ein anderes Service-Taxi (eben Sherut), um für 22 Shekel (ca. 4 EUR) die 65 km von Tel Aviv nach Jerusalem innerhalb weniger als 1h Stunde zurückzulegen. In Jerusalem stiegen wir an der ersten Haltestelle aus, nachdem wir ein Schild mit „Old City“ entdeckt hatten – was noch ein bisschen Fußweg nach sich zog. Aber nach nur kurzem Suchen kamen wir zum mit hohen Mauern umgebenen historischen Stadtkern. Ich werde an dieser Stelle nicht zu viel über Jerusalem an sich erzählen – denn ich persönlich empfand es ziemlich aufregend, in die Stimmung der Altstadt einzutauchen; und diese Stimmung kann man zum einen sowieso nicht rüberbringen; zum anderen möchte nichts vorwegnehmen oder zu hohe Erwartungen wecken, falls jemand die Stadt noch sehen will. Aber die wichtigsten Stationen, die wir abklapperten (musste alles schnell gehen, hatten ja nur den einen Tag Zeit), erzähl ich kurz. Wobei die erste „Station“ keine war – wir gingen einfach irgendwie drauf los und gelangten so zum Damaskustor. Von dort aus machten wir uns dann etwas gezielter auf die Suche nach der Grabeskirche. Auf deren Vorhof trifft man einerseits geschäftige Mönche (leider ein wenig unscharf):

Bei anderen Orden schätzt man demgegenüber (ist auch örtlich zu verstehen – das war der gleiche Platz) eher die Abgeschiedenheit:

Mehr beschreibe ich hier mal nicht - nur so viel: Aufräumen könnten sie mal wieder.

Um die Mittagszeit irrten wir weiter Richtung Tempelberg: Zwischendrin ließen wir uns von einem alten Lokalbesitzer bequatschen, bei ihm einzukehren. Schnell fanden wir heraus, warum er – im Gegensatz zu den benachbarten Lokalen – seine Gäste von der Straße einwerben musste. wir in einem Lokal ein und entdecken ziemlich viel Optimierungspotenzial: Sowohl die Sauberkeit des Geschirrs als auch das Mobiliar könnte man verbessern. Das Essen an sich war ok und der frisch gepresste Orangensaft – den man sehr oft in Israel kriegen kann – ebenfalls. Management Summary: Lokal an den Enkel übergeben (der im Hintergrund mithalf) und grundsätzlich erneuern.

Nach etwas Suchen und Fragen gelangten wir dann tatsächlich zum Tempelberg. Wir sahen uns allerdings nur die Klagemauer aus der Nähe an, da die Schlange für den Eintritt zum Tempelberg an sich ziemlich lang war. Zudem ist derzeit die Besichtigung des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee (oh je, mit Al Aqsa bin ich wieder auf der schwarzen Liste) nur für Muslime erlaubt. Demgegenüber kommt man relativ leicht an die Klagemauer - und ich fand dann auch heraus warum. Als ich mit ausgeliehener Papp-Kippa den abgesperrten Bereich vor der Klagemauer betreten hatte, kam nach kurzer Zeit ein Jude wie aus dem Bilderbuch (ist blöd, wenn man das als Deutscher schreibt, ich weiß – war aber wirklich so) zu mir. Er murmelte offensichtlich Segensprüche, fragte mich immer wieder nach den Namen meiner Familie, murmelte wieder etwas, forderte mich auf die Mauer zu berühren – ich Idiot machte natürlich alles. Nachdem er offenbar fertig war, ließ er mich ziemlich deutlich verstehen, dass er Geld wolle („donation“) als ich 10 Shekel aus meinem Geldbeutel kramen wollte, deutete er auf 20 Shekel – und wieder war ich zu gutmütig. Aber wie sagt der MarcoPolo-Führer: Nicht über Abzocke im Namen des Herrn aufregen. Den wenn ich nochmal erwische…

Eigentlich müsste auf folgendem Foto irgendwo Marianne sein – ich hab sie aber noch nicht gefunden…

Danach gingen wir noch ein wenig kreuz und quer durch Jerusalem (unter anderem nochmals bei unserem Lieblingsrestaurant vorbei) – teilweise mit wenig Orientierung. Aber die Stadt hat auch gerade dann ihren Reiz, wenn man nicht einem bestimmten Ziel hinterherläuft – sondern wenn man die engen Straßen und Gassen mit den wuselnden Leuten (Einwohner und Touristen) uf einen wirken lässt.

Abends dann kehrten wir – nach einem längeren Marsch zur zentralen Jerusalemer Busstation – wieder mit dem Sherut „heim“ nach Tel Aviv.

Der nächste Tag war dann Tel Aviv gewidmet. Zunächst waren wir auf dem Künstlermarkt, den ich schon einmal beschrieben habe, der jeden Freitag in der Woche stattfindet. Daneben ist auch gleich der täglich abgehaltene Carmel-Markt – hab ich auch schon mal erzählt. Am nachmittag machten wir uns dann auf Richtung Azrieli Center – das ist ein Hochhaus, in dessen unteren Etagen ein Einkaufszentrum ist. Wir wollten aber hin, weil man angeblich mit dem Aufzug auf eine Aussichtsplattform in 187 m gelangt, und nahmen dazu einen ziemlich langen Fußmarsch auf uns (zugegebenermassen sind meine Ortskenntnisse – vor allem des öffentlichen Nahverkehrs – noch nicht perfekt, so dass die eigentlich geplante Busfahrt irgendwie nicht zustande kam). Um die Aussicht vom Asraeli Center genießen zu können, muss letzeres geöffnet sein – und das ist és am Freitag nachmittag aber leider nicht. Aber man kann tolle Spontan-Fotos aus dem Handgelenk vor imposanter Kulisse machen:


Zurück zur Wohnung gelangten wir mit Hilfe eines Sheruts – aber leider ganz und gar nicht auf direktem Wege. Aber dafür haben wir ganz neue Ecken von Tel Aviv kennengelernt. Und fuhren durch das „Bauhaus“-Viertel, wobei wir nicht gerade viele Bauhäuser entdeckten.

Abends dann schickten wir uns an, das Tel Aviver Nachtleben zu erkunden, kamen aber nicht über zwei Bars hinaus (dort blieben wir dann aber länger). In der ersten (Mate) wunderten wir uns über die Trinkfestigkeit der young lady hinter der Bar – kamen aber dann zum Schluss, dass sie den Coyote Ugly-Trick anwandte: Alle paar Gläser Wasser statt Alkohol. Andernfalls wäre sie ein biologisches Wunder. In der zweiten Bar – in die Marianne wg. des spanischen Namens „Cerveza“ wollte, ich wegen der Übersetzung dieses Namens – wurde uns dann die Zukunft aus der Hand gelesen. Und – wie immer – wollte er Geld… Lt. Marianne hab ich (wieder mal zu gutmütig) viel zu viel hergegeben…

So, Fortsetzung folgt. Gute Nacht, Ihr Prinzen von Maine, Ihr Könige von Neu-England.

Die gleiche Woche – glaub ich zumindest… Ich sag nur: Kultur pur rund um die Uhr.

Nun zu etwas weniger politischem (für Insider: And now for something completely different), dafür kulturell wertvollerem: In der gleichen Woche, ich war gerade auf dem Rückweg per Zug und Bus von der Uni in Beer Sheva nach Tel Aviv rief mich Nirit an, meine Nachbarin. An dem Abend war ein Konzert einer Künstlerin, mit der Nirit befreundet ist (ich hatte ja schon erzählt, dass Nirit auch singt): Sie heißt Einat Betzalel und stellte an dem Abend zusammen mit ihrer Band Ihre neue CD vor. Nirit fragte mich, ob ich mitkommen wollte und ich sagte ja, obwohl ich schon ziemlich müde war. Aber man will ja was mitkriegen: Und es hat sich dann auch vollauf gelohnt: Zum einen war die Örtlichkeit äußerst interessant, da dort regelmäßig Veranstaltungen in mittelgroßem Rahmen mit Tel Aviver Künstler sind (und ihr der Szene bin ich ja seit neuestem quasi zuhause). Zum anderen war auch der Auftritt von Einat sehr gut – sie hat eine wunderbare Stimme und, ja, sieht auch nicht ganz schlecht aus. Aber letzteres vergeht ja bekanntlich. Mit ihrer neuen CD geht sie auch in der Schweiz und in Österreich auf Tournee. Wen näheres interessiert, sei auf ihre MySpace-Seite verwiesen.

In diesem Sinne: The show must go on!

Die wievielte Woche eigentlich - Das waren jetzt dann doch schon einige …

Heute nehm ich mir mal eine Zugfahrt, um ein wenig die Schilderung meiner Erlebnisse hier in Israel aufzuholen. Bevor ich das aber tue, möchte ich Euch auf das Erscheinen der Dissertation eines jungen, hoffnungsvollen Nachwuchswissenschaftlers aufmerksam – oh, hab ich ja schon mal…
Was ich im folgenden erzähle, mag zeitlich ein wenig durcheinander gehen – aber auf die Reihenfolge kommt es eigentlich nicht an.
Meine letzter Bericht von vor einigen Wochen handelte von meinem Tag bei Gericht. Dazu möchte ich noch ein paar Hintergründe darstellen, nämlich die Geschichte des Angeklagten aus dessen Sicht. An besagtem Tag war er als Wiederholungstäter in Sachen illegaler Arbeit vor Gericht.
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein Interview mit dem Angeklagten und einem seiner Kollegen aufführen, in welchem Sie über Ihre Lebens- und Arbeitsumstände berichten. Ich lasse das aber mal lieber raus. Zwar glaube ich den beiden Personen, die das Interview führten, dass alles so gesagt wurde – aber ich bin mir nicht sicher, ob ich den beiden Palästinensern und den Interviewern einen Gefallen tue, das hier zu veröffentlichen: Es wird sowohl die israelische als auch die palästinensische Seite kritisiert – und ohne das Einverständnis der beiden palästinensischen Arbeiter ist das ganze arg heikel.
Und wie gesagt, er kam dann frei – warum, das weiß auch keiner so genau…
In diesem Sinne: Die Verhandlung ist geschlossen.

Samstag, 18. April 2009

Mal wieder ein Nachtrag...

Nachdem ich bislang hauptsächlich über meine privaten Erlebnisse berichtet habe, gibt es heute mal - nach dem gestrigen Hinweis auf meine neue Quelle des Reichtums - einen Bericht über Aktivitäten an der Uni. Und zwar organisierte einer von Adirs Kollegen, Lior Fink, eine Konferenz namens ESRL Symposium 2009 - wobei ESRL fuer Enterprise Systems Research Laboratory steht. Wenn Ihr auf die Homepage klickt, werdet Ihr den Haken meiner Teilnahme feststellen - die Vorträge waren alle auf Hebräisch. Gott sei Dank waren wenigstens die Folien der Vortragenden auf Englisch, so dass ich wenigstens ein bisschen was verstand... Und das was auf den Folien stand, war gar nicht mal so uninteressant - im Wesentlichen war es eine Praktikerkonferenz und die Referenten berichteten über den Einsatz von IT in ihrem jeweiligen Unternehmen. Da waren schon einige interessate Ideen dabei.
Tja, und ansonsten werkele ich an diversen Papern (alt und neu) vor mich hin. Immerhin wurde Adir und mein Paper auf der AMCIS angenommen - mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
In diesem Sinne: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel (S. Herberger).

Freitag, 17. April 2009

Es ist vollbracht...

Will ja nicht blasphemisch sein, daher den Titel dieses Blogs nicht ernst nehmen.

Worauf er sich bezieht, ist die Veröffentlichung meiner Dissertation. Auch wenn es mittlerweile ja die Möglichkeit gibt, diese nur digital zu veröffentlichen, habe ich mich dafür entschieden, sie als richtiges Buch haben zu wollen. Und daher ist es nun soweit - auch wenn ich nicht an verkauften Exemplaren verdiene, könnt Ihr Euch das Meisterwerk auf den Seiten des Verlags anschauen. Und ganz wichtig: Ich stehe jetzt auch als Autor auf Amazon, yes!!!

In diesem Sinne: Genug angegeben, weitermachen! :-)

Sonntag, 5. April 2009

Tag des (jüngsten) Gerichts

Kurz zwischendurch ein Bericht von einem weiteren Erlebnis letzte Woche hier in Israel: Ich war nämlich vor Gericht. Ausnahmsweise nicht als Angeklagter, sondern nur als Zuschauer. Hintergrund: Ein Palästinenser, der auf dem Bau neben meiner Wohnung (über den zugehörigen Lärm hab ich mich ja schon beschwert ;-) illegal arbeitete, stand vor Gericht. [Die Hintergrundgeschichte dazu erzähl ich ein anderes Mal]. Nirit, meine Nachbarin, hatte für ihn gebürgt und begleitete ihn daher vor Gericht. Da es wohl durchaus einen positiven Eindruck auf den Richter macht, wenn sich viele Menschen für die Verhandlung eines Arabers interessieren, marschierte also eine ganze Mannschaft (sogar mit Filmkamera) vor Gericht auf, darunter ich. Peter und ich fuhren mit dem Fahrrad dorthin, die anderen mit dem Taxi. Nachdem wir auf Waffen kontrolliert wurden (man beachte den Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen in Deutschland) und den Verhandlungsraum gefunden hatten, stellten wir fest, dass noch jemand fehlte: Die Anwältin. Ehrlich gesagt, meine obige Bemerkung war ein Scherz und ich war (ausser einem Besuch einer Verhandlung mit Frau Bauer, damals noch Siwik zu Schulzeiten) noch nie in einem deutschen Gericht. Aber dass eine Anwältin nicht zu einer Verhandlung erscheint, weil sie gleichzeitig noch eine andere hat - ich glaube, so etwas würde es bei uns nicht geben. In der gegebenen Situation war das doppelt doof, weil die Verhandlung bereits einmal verschoben worden war. Allerdings war die Richterin milde bis gnädig und verschob kurzerhand die Verhandlung - auf wann, war noch unklar, da ja die Anwältin noch nicht aufgetaucht war. Ursprünglich hätte die Verhandlung um 8.30 beginnen sollen (wobei da gesagt wurde, dass die Richterin eh nie vor 9.00 da ist), und so warteten wir und warteten wir und warteten wir. Um 11.00 war immerhin dann die Anwältin da, aber natürlich verhandelte die Richterin nun einen anderen Fall. Daher zogen Peter und ich uns zurück, da das Ende nicht absehbar war. Für alle Neugierigen: Er wurde tatsächlich freigesprochen.

In diesem Sinne: I'll be back!

Mittwoch, 1. April 2009

Israelische Eindrücke

Seit mittlerweile 3 Wochen von ich mittlerweile in Tel Aviv, und es ist schon ein ganz anderes Leben. Be'er Sheva ist eine Wüstenstadt, wo nicht viel los ist und es auch wenig zu tun gibt. Das ist in Tel Aviv anders: Während man in Beer Sheva ueberlegte, an welcher Strasse weniger Autos fahren, neben denen man beim Joggen herlaufen und deren Abgase man einatmen möchte, stellt einen Tel Aviv vor die Wahl, ob man am Meer oder im Park neben dem Fluss joggen will. Mir gefällt die letztere Auswahl eindeutig besser - um zu verdeutlichen warum, zwei Eindrücke:

Und ich krieg auch mehr vom israelischen Leben mit.

Zum Beispiel bin ich mittlerweile fester Bestandteil der Tel Aviver Künstlerszene. Ok, mein Nachbar hat mich auf eine Ausstellung mitgenommen, bei der das Bier umsonst war. Also, das war nicht der Grund, aber ganz nützlich ;-) Angeblich DIE Galerie in Tel Aviv ist umgezogen und an dem Abend war die Eröffnungsveranstaltung in den neuen Räumlichkeiten. Drei Künstler haben Bilder ausgestellt, die hat sich keiner angeschaut (ausser mir natürlich). War mehr eine sozialisierende Veranstaltung. Aber ganz witzig, auch die Leute, die da rumspringen. Künstler halt. Auf der Veranstaltung erhielten wir noch den Tipp, auf die nächste Galerie zu gehen - die war edler, aber die Ausstellungsstücke noch stranger. Dafür lernte ich dort tatsächlich einen netten, jungen Künstler kennen, der ab und zu in Be'er Sheva ist, mit dem geh mer mal nen Kaffee trinken. Oder ein Bier, scheinen die Künstler ja zu mögen.

Außerdem war ich beim Qualifikationsspiel für die Fussball-WM 2010 in Südafrika zwischen Israel und Griechenland. Nachdem Israel vor dem Spiel 2. in der Gruppe war mit nur einem Punkt Rückstand auf Griechenland, wurde das Match in Israel zum Spiel des Jahres erkoren. Dies auch deswegen, da Israel letztmals in den 70er Jahren an einem grossen Fussballturnier teilgenommen hat und sie dieses Mal aufgrund des Tabellenstands eine realistische Chance hatten. Für diese Umstände fand ich es erstaunlich, dass man eine Woche vorher noch problemlos eine Karte im offiziellen Vorverkauf erhielt - ich war noch nie bei einem Länderspiel der Nationalelf, aber ich glaube in Deutschland wäre das nicht so problemlos möglich. Und in Deutschland würde eine Karte auch nicht 80 Schekel (umgerechnet ca. 16 EUR) kosten... Dafür würden hinter dem offiziellen Vorverkaufsschalter höchstwahrscheinlich Leute sitzen, die des Englischen zumindest rudimentär mächtig sind - ich habe meine Karte mit Handzeichen erstanden. Also machte ich mich vergangenen Samstag zu Fuss auf den Weg ins Stadion Ramat Gan, hier in Israel kann man solche Abendspaziergänge mittlerweile mit lediglich eine langem Pullover bekleidet machen... Die Strecke führte mich durch den oben bereits erwähnten Yarkon Park, und während der ersten 75% des Wegs waren dort auch immer Leute unterwegs, spazierend, joggend, auf dem Fahrrad, wie auch immer. Dann aber wurde der Park breiter und ab diesem Punkt war ich de facto allein unterwegs. Nachdem mir 10 min lang niemand begegnet war und auch innerhalb der Sichtweite niemand auftauchte (zugegebenermassen war die Sichtweite aufgrund der Dunkelheit eingeschränkt), machte ich mir langsam sorgen, ob ich auf einen Truppenübungsplatz gelandet war und demnächst die Panzer um mich rum auftauchen würden - denn das einzige sich bewegende menschliche Lebenszeichen war ein Hubschrauber der über dem Stadion kreiste. Aber es tauchten keine Panzer auf und beruhigend wirkte auch, dass in der Ferne die ganze Zeit die Flutlichter des Stadions zu sehen waren. So kam ich dann doch noch am Stadion an und suchte den Block, der auf meine Karte gedruckt war. Was jedoch im Vergleich zu deutschen Eindruckskarten fehlte (und was z.B. sogar auch der FCA macht), waren Angaben zu Reihe und Sitz innnerhalb des Blocks. Als ich durch eine lange Betonröhre den Block betrat, merkte ich auch ziemlich schnell, wozu das führt: Die begehrten Blöcke sind hoffnungslos überfüllt - keine Chance auf einen Sitzplatz, wobei 45 min vor Spielbeginn eh niemand saß. Auch auf den Treppen stehen ging nicht - nicht weil einen da die Sicherheitskraefte entfernten, sondern weil die ebenfalls schon überfüllt waren. Also, Rückzug angetreten und einen etwas ruhigeren Block mit Sitzgelegenheit gesucht (nebenbei: Falls sich jemand vorhin über meine Bemerkung zum Abendspaziergang geärgert hat: Wenn man dann saß und der Wind pfiff, wars ar...kalt...). Da noch 30 min Zeit waren hatte ich ein wenig Zeit, mir das Stadion ein wenig anzuschauen: Ich glaube, Profifussball dürfte man in Deutschland in einem Stadion in diesem Zustand nicht spielen: Hinter den Sitzreihen ging es ungesichert 5 m eine steile Böschung hinab - einziger Halt waren ein paar Büsche sowie lose Betonblöcke, die man gut zum Werfen verwenden könnte. In Israel haben sie wohl was gegen Anstreicher (warum wohl?), deswegen ist hier vieles verrostet (für Insider: Da könnt mal wieder der Heinemann kommen) - so auch die Eisen- oder Stahlkonstruktion, auf der die Videoanzeigetafel montiert ist. Ich will mit derartigen Beschreibungen Israel nicht als rückständig hinstellen - aber hier findet man einfach sowohl hervorragend gepflegte Anlagen neben solchen, für die meine Beschreibung des Stadions hier steht. Das gilt auch für Häuser und Wohnungen - wobei allerdings Gebäude in unterschiedlichen Zuständen nicht etwas in unterschiedlichen Vierteln stehen - sie sind vielmehr in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander zu finden. Aber zurück zum Spiel: Auch bzgl. des Rahmenprogramms fehlt mir der Vergleich zu Spielen der deutschen Nationalmannschaft, aber ich denke, dass es hier in Israel deutlich nationalistischer zugeht. So wie in Häuserfenstern und an öffentlichen Orten dauerhaft eingerichtete israelische Flaggen gang und gäbe sind (und das obwohl sie keine WM ausgerichtet haben), war das Vorprogramm auch durchgängig von israelischen Fahnen bestimmt. Mein Eindruck ist, dass die Israelis mit einer derartigen Betonung des Staates dessen Existenzrecht zu festigen suchen. Auf alle Fälle war die Stimmung vor dem Spiel typisch südländisch und dementsprechend war einiges los.


Folgendermassen stellte sich der Einzug der Mannschaften dar - so weit man was erkennen kann ;-)



Das Spiel war nicht überragend und endet meines Erachtens gerecht 1:1. Witziger und zum Schluss nerviger waren die israelischen Zuschauer, die vor Begeisterung bereits jedes Mal von ihren Sitzen aufsprangen, wenn ein israelischer Spieler nur mit dem Ball die Mittellinie überschritt - auch wenn überhaupt noch keine sinnvolle Möglichkeit auf eine Torchance bestand (zumindest aus meiner pessimistischen deutschen Sichtweise). Allerdings muss ich zu ihrer Verteidigung sagen, dass ich mir 10 sek, bevor das israelische Tor fiel, dachte: "Schon wieder der (der rechte Mittelfeldspieler der Israelis war wirklich nix...), das wird nie was..." Am Mittwoch drauf war das nächste Spiel, dieses Mal in Griechenland - das verloren die Israelis und es sieht wieder düster aus mit der Qualifikation...

Den Heimweg trat ich ein wenig verfrüht an, was ich ansonsten eigentlich nie mache. Hoffentlich zählt das Spiel trotzdem noch zum Ground Hopping. Da ich nicht nochmals eine dreiviertel Stunde laufen wollte, nahm ich mir ein Taxi. Allerdings haute mich der Taxifahrer über den Tisch (für Insider: bzw. zog mich hinters Ohr) - 60 Schekel für eine Strecke, die sonst 40 kostet - und es fuhren noch andere Leute mit, die ebenfalls zahlten. War aber wieder mal zu gutmütig... Auf alle Fälle ein interessanter Fussballabend.

[Exkurs zum Thema Fussball: Wollte nur auf die Diskussion um die Webseite Hartplatzhelden aufmerksam machen - bildet Euch Eure eigene Meinung und vielleicht mag ja der eine oder die andere das Projekt unterstützen]

In diesem Sinne: Aus, aus, das Spiel ist aus, Deutschland ist Weltmeister!