Donnerstag, 12. Februar 2009

Die zweite Woche

Donnerstag, 12. Februar 2009

Herzlich willkommen zu unserer heutigen Ausgabe von "Marcus fährt nach Israel". Falls Ihnen der Bericht zur ersten Woche zu langweilig war, können Sie gleich wieder aufhören zu lesen - interessanter wird es diese Woche nicht (für Insider: Erwartungsmanagement).

A propos Insider: Einigen Leuten gefiel es nicht, Outsider zu sein - daher hab ich mich entschlossen, auch sie zum Insider zu machen. Zum Stichwort "die ham ganz sche baut, neinzehnzwoarasibzg" siehe das entsprechende Video bei Youtube. Betätige mich ja immer gerne als Verbreiter bayrischer Kultur - wer nun aber wissen will, was es damit auf sich hat, muss sich das Video schon in Ruhe anschauen.

So, aber warum wird es heute langweiliger? Weil ich diese Woche weder am Toten Meer noch in Tel Aviv war, sondern hauptsächlich - wie es sich für einen Forschungsaufenthalt gehört - an der Uni in Be'er Sheva. Erwähne den Ort nochmal, da ich heute herausgefunden habe, dass Be'er Sheva eine Partnerstadt von Rosenheim ist. Zudem hat Yossi Benayoun (wird auf Wikipedia als einer der Söhne der Stadt bezeichnet) im Fussballfreundschaftsländerspiel am Mittwoch zwischen Israel und Ungarn das goldene Tor erzielt. Und da Avigdor Lieberman, der Vorsitzende der Partei "Unser Haus Israel", früher mal als Türsteher in Be'er Sheva gearbeitet hat, kriegen wir auch den Link zu den Wahlen, die hier in Israel am Dienstag stattgefunden haben.

Am dem Tag arbeitete ich von zuhause aus, da zwar der Wahltag kein Feiertag ist, aber trotzdem einfach niemand arbeitet. Daher hab ich den Tag in meinem Zimmer im Wohnheim verbracht - das ich übrigens immer noch nicht bezahlt habe ;-) ach ja, das letzte Foto im letzten Eintrag ist übrigens gar nicht aus dem Wohnheimzimmer - das war ein Zimmer, das ich mir in Tel Aviv angesehen, aber dann nicht genommen habe. Wie ich im letzten Eintrag auch bereits erzählt hatte, waren für Dienstag schwere Stürme angesagt. Da ich dachte, dass diese wohl doch ausbleiben, machte ich mich zu Fuß auf den Weg in die Shopping Mall, um ein Handy zu kaufen. Nachdem ich eine gewisse Strecke zurückgelegt hatte, stellte ich fest, dass der Wetterbericht in Israel doch eine gewisse Aussagekraft hat - wenn auch keine dunklen Wolken aufzogen, pfiff der Wind doch ganz gewaltig. Wer sich jetzt denkt, der soll sich nicht so anstellen, hat vermutlich recht. Aber ich bitte zu bedenken, dass Be'er Sheva am Rande einer Wüste liegt. Und in der Wüste liegt wiederum Sand. Und heftiger Wind + Sand = ? Richtig, Operation Desert Storm. Natürlich hatte ich weder Sonnen-, noch normale Brille dabei. Aber auch mal 'ne Erfahrung. Leider kann ich es nicht auf die schlechte Sicht schieben, dass ich den Weg zur Mall erst nach einer weiteren Erfahrung fand - diese bestand darin, auf einer sechsspurigen Strasse ohne Fußgängerweg ca. 600 m zu überwinden, weil ich die falsche Abzweigung genommen habe (ok, das war bereits die zweite falsche Abzweigung, aber das muss ja niemand wissen). Bei Sandsturm. Für Insider: Hey, Reinhold, Du kanndadst no Nosnboan dabei. Aber ich habe es schadlos überstanden. Im Handyladen dann (inkl. Nummern ziehen, vermute mal, dass sie das eingeführt haben, weil es in Israel zum guten Ton gehört, sich vorzudrängeln) waren 30 Schalter nahezu durchgängig besetzt. Spricht für die Kommunikationsfreudigkeit der Israelis. Und am Ende des Tages hielt ich dann tatsächliche auch eine israelische SIM Card von orange in den Händen. Damit marschierte ich stolz zu einer Restaurantkette namens "Spaghetti", die hauptsächlich mongolische Küche anbietet. Scherz, natürlich italienische. Der obligatorische Wachmann an der Eingangstür war auch ein Scherzkeks: Als er feststellte, dass ich Ausländer bin, fragte er mich: "Any weapons, any explosives?" Als ich den Kopf schüttelte, fragte er: "Need any?" Hab den Witz leider erst kapiert, als ich schon am Tisch saß. Das Essen war ok, sie haben mir freiwillig erzählt, dass es im Menu billiger kommt - halt ähnlich zu McDonalds. Der Heimweg war zwar immer noch windig, aber aufgrund der gemachten Erfahrungen und der daraus gezogenen Lehren war er deutlich kürzer als der Hinweg.

Abends dann schaute ich mir auf BBC World - Kabelfernsehen ist toll, v.a. da alle Filme auf Englisch mit hebräischen Untertiteln kommen - die Berichterstattung zu den israelischen Wahlen an (ok, da kamen keine hebräischen Untertitel) Überraschend war, dass die halbwegs gemäßigte Partei der bisherigen Außenministerin Zipi Livni, Kadima, die meisten Sitze bekam - das sah in den Umfragen eher anders aus. Halbwegs gemäßigt sagt nicht viel, sie war immerhin Außenministerin und unterstützte die jüngsten Angriffe auf Gaza. Zudem lag die rechts gerichtete Partei von Bibi Netanjahu , Likud, nur sehr knapp dahinter. Dritte Partei war dann die oben angesprochene von Lieberman, die noch weiter rechts ist. Überhaupt gewannen rechte Parteien mehr als die Hälfte aller Sitze - allerdings müssten bis zu sechs Parteien eine Koalition bilden, die die Mehrheit hat. Zudem ist noch nicht sicher, wer mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Sprich: Man erwartet, dass sich das ganze noch hinzieht (sie haben sechs Wochen zur Bildung einer Regierung Zeit). Zudem dürfte die Regierung dann einigermassen instabil und nur sehr eingeschränkt bereit zu Geprächen mit den Vertretern der Palästinenser. Sprich, genau das, was die Amis nicht wollten. Armer Obama - Du hast Dir nen Sch... Job ausgesucht...

Ach ja: Über die Holocaust-Leugnungs-Geschichte wird hier kaum berichtet.

So, und gestern und heute hab ich wieder geforscht. Dabei habe ich wieder ein untrügliches Indiz dafür gefunden, dass Wasser Mangelware ist in Israel: Die Pissoirs an der Uni funktionieren ohne Wasser: http://www.waterless.co.il/ Scheint zu funktionieren - wenn wir jetzt noch auch deutsche Frauen dazu bringen, die von Susan Stahnke beworbenen oder vorgestellten oder was auch immer Urinale zu verwenden - wieder hätten wir eine Möglichkeit gefunden, Wasser zu sparen. Ach ja, eine Vorschrift hier in Israel macht sehr Sinn, nämlich dass Heisswasser mit Sonnenkollektoren erzeugt werden muss. Not macht erfinderisch.

In diesem Sinne: Mehr wenn Ihr mich wiederseht, Ihr müsst unbedingt gucken, wie's weitergeht...

4 Kommentare:

  1. Hey cool, der letzte Satz stammt aus "Es war einmal ... der Mensch" oder so ähnlich. Das waren noch Zeiten.

    Übrigens, warum postest Du immer so komische Links deren Schrift man nicht lesen kann? Jetzt sag nicht, Du könntest das etwa schon entziffern :-)

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  2. Die seltsamen Zeichen sind dazu da, damit Ihr mal seht, wie schwer ich es hier hab. Nein, ernsthaft, die Seite gibt es nur auf Hebraeisch und die Bilder sprechen ja fuer sich... ;-)

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. "Any weapons, any explosives?" Als ich den Kopf schüttelte, fragte er: "Need any?"

    LOL... das sind aber schon rechte Scherzkekse da, oder? :D :D

    MBolsinger

    (mit Neo28504 wirst glaub nichts anfangen können :D )

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