Dienstag, 10. März 2009

Die fünfte Woche und die sechste auch gleich...

Liebe Freude der gepflegten Unterhaltung,

heute erzaehle ich Euch von einer zwei weiteren Woche im Heiligen Land.

Eins gleich vorneweg: Ist nicht mehr kalt hier. Wollt ich nur erwaehnt haben. Und der Begriff "hier" ist auch nicht mehr so leicht einzugrenzen: Seit heute habe ich mein Domizil in Tel Aviv bezogen.

Aber schön der Reihe nach. Beim letzten Mal hab ich Euch ja erzaehlt, dass - um meine Forschung zu perfektionieren - erste Anstregungen unternommen wurden, dass ich auf die Daten an der Uni Augsburg zugreifen kann. Die hiesige EDV-Abteilung hat mir zu diesem Zweck einen Zugang ueber ein weiteres WLAN-Netz eingerichtet. Dieser hat leider nicht sofort funktioniert. Also hat sich Dimitri (das war auch der, der wohl versucht hat, eine Verbindung zur US Army herzustellen) intensiv mit meinem Notebook auseinandergesetzt, leider ohne Erfolg (zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass er auch erst seit einem halben Jahr in dieser Position arbeitet). Aber er ist wohl gut vernetzt und so telefonierte er fleissig (auf Russisch), um meinem Problem Abhilfe zu schaffen. Letztendlich blieb dann aber nichts anderes übrig, als dass wir uns zum "Helpdesk" aufmachen mussten. Dieser ist am anderen Ende der Uni gelegen, also machten wir uns zu zweit auf den Weg dorthin. Dort angekommen, hat sich Dimitri mit einem Mann unterhalten, der ihm wohl ziemlich schnell klar gemacht hat, dass hier auch niemand Bescheid weiss, ihm eine Visitenkarte in die Hand gedrückt und gesagt hat, er solle später nochmal kommen. Dimitri (immer mit mir im Schlepptau) aber gab nicht auf und klopfte auf der gleichen Etage an drei Tueren, allerdings ohne Erfolg. Dann gingen wir wieder in die Richtung, aus der wir ursprünglich kamen und ich dachte, wir würden aufgeben. Falsch gedacht! Er oeffnete eine Stahltuer, und dann noch eine und wir waren ploetzlich nicht mehr in einer schoen ausstaffierten Uni, sondern eher in etwas, was einem Keller aehnelte. Und dort war dann auch ein Buero, wie ich es eigentlich ansonsten nur aus Filmen kenne: Die Regale in dem Raum waren komplett mit Computern, Monitoren, Druckern, Kabeln, Tastaturen und sonstigem Computerzubehör vollgestopft. In der Mitte des Raums stand ein Schreibtisch, auf dem ca. 1m hoch Papierstapel lagen. Ausser dem Papier hatte dann aber noch ein PC Platz, den ein Mann bediente, der offensichtlich hier sein Lebenswerk angesammelt hat. Er sprach mit Dimitri ebenfalls russisch und schaute sich dann auch mein Notebook an (dieses baute ich ausserhalb des Bueros im Gang auf - in dem Gang waren ebenfalls Schraenke und Regale komplett voll mit Computerzubehör). Erfolg hatte aber auch er keinen (ich hatte schon Angst, dass er jetzt mein Notebook nehmen und es in den Untiefen seines Bueros verschwinden lassen wuerde). Aber nein, die beiden nahmen jetzt die Sache gemeinsam in die Hand. Und so trotteten wir zu dritt wieder aus dem Kellerverlies heraus in ein weiteres Buero. Die dortige Dame konnte uns allerdings auch nicht weiterhelfen, empfahl uns aber, jemanden anzurufen. Zumindest interpretierte ich das Gespraech so, denn der 2. Russe (also nicht Dmitri) griff zum Telefon und sprach mit jemandem. Nach diesem Buero gingen wir dann wieder zurueck zum Helpdesk (ganz ehrlich: In Deutschland haette ich schon lange gesagt: Komm, lass mers gut sein - aber hier dachte ich mir: Das schau ich mir jetzt an!). Dort gab dann der gleiche Herr, der Dmitri zu Beginn unserer Erzaehlung ziemlich abgefertigt hat, nun bereitwillig Auskunft (Beziehungen muss man haben). Allerdings schickte er uns nun innerhalb des Helpdesks weiter. Der Mensch, zu dem wir dann kamen, gab - ungerührt vor seinem PC sitzend und uns nicht anschauend - wohl auch ein paar Tips, die dann auch an meinem Notebook umgesetze wurden. Der Erfolg blieb leider aus. Aber wer meint, dass Russen schnell aufgeben, der hat sich geirrt: Nun wurde wohl die letzte Trumpfkarte gezogen und wir machten - zu dritt durch die Heiligen Hallen der Ben Gurion University schreitend - den Mann ausfindig, der eigentlich hinter den drei Tueren sitzen sollte, an die Dmitri am Anfang unserer Erzaehlung geklopft hatte. Dieser sprach zu meiner Ueberraschung sogar deutsch (und war wohl auch kein Russe). Mit ihm - also zu viert (die Karawane zieht weiter, ...) - gingen wir wieder zurueck Richtung Helpdesk und nahmen auf einer Sitzgruppe davor Platz. Dort gesellte sich dann noch ein weiterer Kollege (oder was auch immer der war dazu) und die Vierergruppe (plus mich, aber ich war eher Beobachter) nahm sich meines Internetverbindungsproblems an. Jeder, der vorbeikam, fragte entweder, was wir fuer ein Problem hätten oder wurde gefragt, woran es liegen könnte, dass man sich nicht mit "WL_Guest" - so der Name des Netzwerks - verbinden könnte. Und tatsächlich, einer sagte dann im Vorbeigehen irgendwas, ein Haken in den Einstellungen des IE wurde entfernt - et voila, ich war online. Klingt effizient. In jedem Fall bin ich den beiden dankbar, dass sie sich dermassen meiner angenommen haben - weiss nicht, ob sie das haetten muessen. Aber nun hab ich keine Ausrede mehr, dass ich nicht alle Daten zum Forschen habe...

Kleiner geschichtlicher Ausflug: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kamen ca. 500.000 Russische Einwanderer nach Israel - bei 7 Mio. Gesamtbevoelkerung nicht unerheblich. Ihnen wird eine mangelnde Bereitschaft zur Anpassung vorgeworfen. So gibt es russische Tageszeitungen und russisches Fernsehen - was dem israelischen Grundgedanken widerspricht, dass jeder Einwanderer hebräisch lernen muss. In den letzten Wahlen hat diese Einwanderergruppe ueberwiegend rechts gewaehlt - hauptsaechlich die Partei von Lieberman. Das nur, warum so viele Russen hier unterwegs sind.

Dann muss ich mal ein paar Worte zur Sicherheitslage hier verlieren, weil ich danach immer wieder gefragt werde. Ich muss schon zugeben, dass man sich erst daran gewoehnen muss, sich immer geduckt und im Schutze von stabilen Mauern zu bewegen. Auch das Sprinten von Mauervorsprung zu Mauervorsprung, sobald die Heckenschuetzen mal nicht herschauen, stresst auf die Dauer. Zudem die Detonationen und die Einschussloecher in den Mauern - das alles ist anfangs ungewohnt. Aber man findet sich dann doch zurecht und lernt, damit umzugehen - und mir gehts daher den Umständen entsprechend gut. Schwachinn!!! Es war in Beer Sheva und ist auch hier in Tel Aviv komplett ruhig. Das einzige, was die Uni in Israel von der bspw. in Augsburg unterscheidet, ist die Einzäunung des Geländes und die Sicherheitskontrolle beim Betreten. Ansonsten kann man sich völlig frei bewegen und denkt eigentlich gar nicht an irgendwelche Gefahren.

Nachdem schon mehrfach mehr Fotos angemahnt wurden, möchte ich dem jetzt nachkommen. Zum einen ein paar Eindrücke vom Campus der Uni, auf dem Bild rechts sieht man im Hintergrund eine Cafeteria, wo es auch seeehr gute Sandwiches gibt (hab glaub ich im ersten Eintrag geschrieben, dass ich dort schon gleich zu Beginn ein Sonnenbad genoss). Links ist der Vorplatz der Universität zu sehen, wenn man sie durch den Haupteingang betritt. Dann noch ein Bild, was ich auf meinem Ausflug zum Beduinenmarkt gemacht habe: In ganz Beer Sheva sind unterschiedlich bemalte Sofas aus Metall aufgestellt, analog wie man das in München mit den Löwen oder in Augsburg mit den Rhinoerzossen (ist das der korrekte Plural?) kennt. Weiss zwar nicht was Sofas mit Beer Sheva zu tun haben, aber wahrscheinlich waren Kamele zu aufwändig.


Dann bin ich noch ein paar Sachen schuldig.

Zum einen, weshalb ich für meine (zugegebenermassen auch nicht immer perfekte) Erziehung dankbar bin. Dafür gibt es zwei Beispiele: 1. Wie oft musste ich mir als kleiner Bub anhören: "Heb' die Füße an beim Gehen!" ohne wirklich den Sinn zu verstehen (immerhin ist die Schwerkraft ausnahmsweise mal nicht meine Schuld). Mittlerweile weiss ich warum; denn in Israel sind die Eltern wohl nicht so unnachgiebig in dieser Frage, so dass vor allem Männer sich schon lange bevor ihrem Erscheinen mit einem intensiven Schlurfschlurfschlurf ankündigen - das wirklich auf die Nerven gehen kann. Wobei ich auch die Erklärung - oder Erläuterung - dafür habe: Gerade in der Wüste verbreitet sich rasch eine Schicht ganz feiner Staub in der ganzen Wohnung, also auch auf dem Boden. Wenn dann die Kinder ihre Füße nicht anheben, sondern schlurfen, nehmen sie mehr von dem Sand mit - und es muss weniger Boden gewischt werden... 2. Das dauert jetzt nicht so lange: Danke, Mama, mir beigebracht zu haben, dass man sich wieder vollständig bekleidet, wenn man auf der Toilette war. hier sind mir schon mehrfach Männer auf dem Gang der Uni begegnet, die gerade aus der Toilette kamen und dabei waren, die Knöpfe ihrer Hose zuzumachen.

Zum anderen wollte ich Euch zeigen, was rauskommt, wenn mir langweilig ist: Dann verewige ich eines der besten Werke eines bayerischen Barden auf youtube...

Oder aber ich gehe - wie es meinem Alter angemessen ist - in die Disco, die heisst in Beer Sheva Forum und ist angeblich die drittbeste in Israel. Da sie etwas ausserhalb ist, machte ich mich mit dem Taxi auf den Weg. Dort angekommen, wurde ich an der Tür erst mal zur Seite gebeten, da die Türsteherin kein Englisch sprach. Der Mensch, der dann des Englischen mächtig war, fragte mich - und ich schwöre, er tat es wirklich - nach meinem Alter. Zunächst starrte ich ihn ungläubig an und dann fiel ich ihm schluchzend in die Arme, dankte ihm, fragte ihn, was er trinken möchte... Ok, nein tat ich nicht, aber ich nannte ihm mein Alter, welches er tatsächlich in meinem Pass übeprüfte!!! Der Abend begann gut. Und blieb auch gut - so gut halt ne verrauchte Disco sein kann. Zu allem Überfluß spielten sie auch noch Techno/Dancefloor, was ja mal ne Stunde ganz ok ist, aber nicht die ganze Zeit. Leider spielten sie - wahrscheinlich wegen der einseitigen Musik-Ausrichtung - auch nix von den Ärzten... Naja, jetzt hab ich halt mal ne israelische Disco gesehen - so viel Unterschied ist nicht zu ner deutschen, ausser, dass mehr Leute tanzen und weniger um die Tanzfläche rumstehen und dumm schauen.

So, mehr zu meiner neuen Wohnung - dann auch wieder mit mehr Bildern gibt es demnächst!

In diesem Sinne (erst raten, dann klicken!)
Dab da da dab da da da,
ja das war's für heut'.
Dum dum dum dum da du da da,
darum Schluss für heut'.
Hat's dir nicht gefall'n,
dann bohr' dir doch ein Loch ins Knie.
Denn manchen kann man's recht oft tun,
doch allen eben nie.

Sing und schwing das Bein,
lass die Sorgen Sorgen sein,
schaltet wieder ein,
zum nächsten XXX-Spaß

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