Kurz zwischendurch ein Bericht von einem weiteren Erlebnis letzte Woche hier in Israel: Ich war nämlich vor Gericht. Ausnahmsweise nicht als Angeklagter, sondern nur als Zuschauer. Hintergrund: Ein Palästinenser, der auf dem Bau neben meiner Wohnung (über den zugehörigen Lärm hab ich mich ja schon beschwert ;-) illegal arbeitete, stand vor Gericht. [Die Hintergrundgeschichte dazu erzähl ich ein anderes Mal]. Nirit, meine Nachbarin, hatte für ihn gebürgt und begleitete ihn daher vor Gericht. Da es wohl durchaus einen positiven Eindruck auf den Richter macht, wenn sich viele Menschen für die Verhandlung eines Arabers interessieren, marschierte also eine ganze Mannschaft (sogar mit Filmkamera) vor Gericht auf, darunter ich. Peter und ich fuhren mit dem Fahrrad dorthin, die anderen mit dem Taxi. Nachdem wir auf Waffen kontrolliert wurden (man beachte den Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen in Deutschland) und den Verhandlungsraum gefunden hatten, stellten wir fest, dass noch jemand fehlte: Die Anwältin. Ehrlich gesagt, meine obige Bemerkung war ein Scherz und ich war (ausser einem Besuch einer Verhandlung mit Frau Bauer, damals noch Siwik zu Schulzeiten) noch nie in einem deutschen Gericht. Aber dass eine Anwältin nicht zu einer Verhandlung erscheint, weil sie gleichzeitig noch eine andere hat - ich glaube, so etwas würde es bei uns nicht geben. In der gegebenen Situation war das doppelt doof, weil die Verhandlung bereits einmal verschoben worden war. Allerdings war die Richterin milde bis gnädig und verschob kurzerhand die Verhandlung - auf wann, war noch unklar, da ja die Anwältin noch nicht aufgetaucht war. Ursprünglich hätte die Verhandlung um 8.30 beginnen sollen (wobei da gesagt wurde, dass die Richterin eh nie vor 9.00 da ist), und so warteten wir und warteten wir und warteten wir. Um 11.00 war immerhin dann die Anwältin da, aber natürlich verhandelte die Richterin nun einen anderen Fall. Daher zogen Peter und ich uns zurück, da das Ende nicht absehbar war. Für alle Neugierigen: Er wurde tatsächlich freigesprochen.
In diesem Sinne: I'll be back!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen