Mittwoch, 22. April 2009

Müsste immer noch die gleiche Woche gewesen sein

Und dann kam er: Mein erster Besuch. Marianne wagte als erste die gefährliche Reise in das Land, in dem ich mich mittlerweile ziemlich wohl fühle. Und es ist einfach so: Sobald man zu zweit unterwegs ist, unternimmt man mehr: Nachdem ich sie am Nachmittag vom Flughafen abgeholt hatte, waren wir abends beim Hummus-Essen und streiften dann lediglich noch in der Gegend um meine Wohnung umher.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf zu "die Heilige", wie Jerusalem übersetzt heisst. Hierzu nutzten wir nicht nur innerhalb Tel Aviv einen Sherut der Linie 5, um bis zu deren Endstation an den zentralen Busbahnhof zu gelangen, sondern von dort auch wiederum ein anderes Service-Taxi (eben Sherut), um für 22 Shekel (ca. 4 EUR) die 65 km von Tel Aviv nach Jerusalem innerhalb weniger als 1h Stunde zurückzulegen. In Jerusalem stiegen wir an der ersten Haltestelle aus, nachdem wir ein Schild mit „Old City“ entdeckt hatten – was noch ein bisschen Fußweg nach sich zog. Aber nach nur kurzem Suchen kamen wir zum mit hohen Mauern umgebenen historischen Stadtkern. Ich werde an dieser Stelle nicht zu viel über Jerusalem an sich erzählen – denn ich persönlich empfand es ziemlich aufregend, in die Stimmung der Altstadt einzutauchen; und diese Stimmung kann man zum einen sowieso nicht rüberbringen; zum anderen möchte nichts vorwegnehmen oder zu hohe Erwartungen wecken, falls jemand die Stadt noch sehen will. Aber die wichtigsten Stationen, die wir abklapperten (musste alles schnell gehen, hatten ja nur den einen Tag Zeit), erzähl ich kurz. Wobei die erste „Station“ keine war – wir gingen einfach irgendwie drauf los und gelangten so zum Damaskustor. Von dort aus machten wir uns dann etwas gezielter auf die Suche nach der Grabeskirche. Auf deren Vorhof trifft man einerseits geschäftige Mönche (leider ein wenig unscharf):

Bei anderen Orden schätzt man demgegenüber (ist auch örtlich zu verstehen – das war der gleiche Platz) eher die Abgeschiedenheit:

Mehr beschreibe ich hier mal nicht - nur so viel: Aufräumen könnten sie mal wieder.

Um die Mittagszeit irrten wir weiter Richtung Tempelberg: Zwischendrin ließen wir uns von einem alten Lokalbesitzer bequatschen, bei ihm einzukehren. Schnell fanden wir heraus, warum er – im Gegensatz zu den benachbarten Lokalen – seine Gäste von der Straße einwerben musste. wir in einem Lokal ein und entdecken ziemlich viel Optimierungspotenzial: Sowohl die Sauberkeit des Geschirrs als auch das Mobiliar könnte man verbessern. Das Essen an sich war ok und der frisch gepresste Orangensaft – den man sehr oft in Israel kriegen kann – ebenfalls. Management Summary: Lokal an den Enkel übergeben (der im Hintergrund mithalf) und grundsätzlich erneuern.

Nach etwas Suchen und Fragen gelangten wir dann tatsächlich zum Tempelberg. Wir sahen uns allerdings nur die Klagemauer aus der Nähe an, da die Schlange für den Eintritt zum Tempelberg an sich ziemlich lang war. Zudem ist derzeit die Besichtigung des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee (oh je, mit Al Aqsa bin ich wieder auf der schwarzen Liste) nur für Muslime erlaubt. Demgegenüber kommt man relativ leicht an die Klagemauer - und ich fand dann auch heraus warum. Als ich mit ausgeliehener Papp-Kippa den abgesperrten Bereich vor der Klagemauer betreten hatte, kam nach kurzer Zeit ein Jude wie aus dem Bilderbuch (ist blöd, wenn man das als Deutscher schreibt, ich weiß – war aber wirklich so) zu mir. Er murmelte offensichtlich Segensprüche, fragte mich immer wieder nach den Namen meiner Familie, murmelte wieder etwas, forderte mich auf die Mauer zu berühren – ich Idiot machte natürlich alles. Nachdem er offenbar fertig war, ließ er mich ziemlich deutlich verstehen, dass er Geld wolle („donation“) als ich 10 Shekel aus meinem Geldbeutel kramen wollte, deutete er auf 20 Shekel – und wieder war ich zu gutmütig. Aber wie sagt der MarcoPolo-Führer: Nicht über Abzocke im Namen des Herrn aufregen. Den wenn ich nochmal erwische…

Eigentlich müsste auf folgendem Foto irgendwo Marianne sein – ich hab sie aber noch nicht gefunden…

Danach gingen wir noch ein wenig kreuz und quer durch Jerusalem (unter anderem nochmals bei unserem Lieblingsrestaurant vorbei) – teilweise mit wenig Orientierung. Aber die Stadt hat auch gerade dann ihren Reiz, wenn man nicht einem bestimmten Ziel hinterherläuft – sondern wenn man die engen Straßen und Gassen mit den wuselnden Leuten (Einwohner und Touristen) uf einen wirken lässt.

Abends dann kehrten wir – nach einem längeren Marsch zur zentralen Jerusalemer Busstation – wieder mit dem Sherut „heim“ nach Tel Aviv.

Der nächste Tag war dann Tel Aviv gewidmet. Zunächst waren wir auf dem Künstlermarkt, den ich schon einmal beschrieben habe, der jeden Freitag in der Woche stattfindet. Daneben ist auch gleich der täglich abgehaltene Carmel-Markt – hab ich auch schon mal erzählt. Am nachmittag machten wir uns dann auf Richtung Azrieli Center – das ist ein Hochhaus, in dessen unteren Etagen ein Einkaufszentrum ist. Wir wollten aber hin, weil man angeblich mit dem Aufzug auf eine Aussichtsplattform in 187 m gelangt, und nahmen dazu einen ziemlich langen Fußmarsch auf uns (zugegebenermassen sind meine Ortskenntnisse – vor allem des öffentlichen Nahverkehrs – noch nicht perfekt, so dass die eigentlich geplante Busfahrt irgendwie nicht zustande kam). Um die Aussicht vom Asraeli Center genießen zu können, muss letzeres geöffnet sein – und das ist és am Freitag nachmittag aber leider nicht. Aber man kann tolle Spontan-Fotos aus dem Handgelenk vor imposanter Kulisse machen:


Zurück zur Wohnung gelangten wir mit Hilfe eines Sheruts – aber leider ganz und gar nicht auf direktem Wege. Aber dafür haben wir ganz neue Ecken von Tel Aviv kennengelernt. Und fuhren durch das „Bauhaus“-Viertel, wobei wir nicht gerade viele Bauhäuser entdeckten.

Abends dann schickten wir uns an, das Tel Aviver Nachtleben zu erkunden, kamen aber nicht über zwei Bars hinaus (dort blieben wir dann aber länger). In der ersten (Mate) wunderten wir uns über die Trinkfestigkeit der young lady hinter der Bar – kamen aber dann zum Schluss, dass sie den Coyote Ugly-Trick anwandte: Alle paar Gläser Wasser statt Alkohol. Andernfalls wäre sie ein biologisches Wunder. In der zweiten Bar – in die Marianne wg. des spanischen Namens „Cerveza“ wollte, ich wegen der Übersetzung dieses Namens – wurde uns dann die Zukunft aus der Hand gelesen. Und – wie immer – wollte er Geld… Lt. Marianne hab ich (wieder mal zu gutmütig) viel zu viel hergegeben…

So, Fortsetzung folgt. Gute Nacht, Ihr Prinzen von Maine, Ihr Könige von Neu-England.

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