Zu der Zeit Ende Mai war ich ganz schön unterwegs ;-) Nur zwei Tage nachdem Simone wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, nahm mich Nirit mit ins Westjordanland. D.h. hinter den Sperrzaun. Nirit dreht zur Zeit an einem Dokumentarfilm über das "Zusammenleben" zwischen Israelis und Palästinenser. Daher wurden wir von Michael begleitet, einem Kameramann. Er sollte Bilder von unserem Besuch bei Djibril und Hassans Familie machen.
So fahren wir bei Jerusalem ueber die Grenze und dann wieder Richtung Süden nach Hebron. Die Gegend ist äußerst karg, Hebron liegt fast schon auf der Höhe von Be'er Sheva. Die Menschen wohnen - natürlich ganz anders. Es gibt keinen Tisch, keine Couch, wir sitzen am Boden. An den Wänden hängen arabische Texte, religiöse Bilder und eine Stickerei, die eine Maschinenpistole sowie eine palästinensische Fahne und einen Verweis auf das Jahr 1993 zeigt. Hab mich nicht getraut, nachzufragen. Die Frauen tragen sämtlich Kopftuch und nehmen das auch sehr ernst - als sie es abgelegt hatten, da sie in der Kueche das Essen vorbereiteten, und Michael als einziger Mann in die Kueche ging, um Aufnahmen zu machen, sprangen sie wie von der Tarantel gestochen auf, suchten rasch die Kopftuecher und legten diese an. Beim Essen sitzen Maenner und Frauen getrennt - die Maenner essen auf dem Boden im Wohnzimmer, die Frauen in der Kueche. Ausnahmen sind Nirit als Ehrengast und - so wie ich das verstanden habe ausnahmsweise an dem Tag - die Mutter. Aber das Essen ist äußerst gut und sehr reichlich. Alle Muetter weltweit scheinen gemeinsam zu haben, dass sie Gaesten drei Mal Nachschlag "aufzwingen" ;-). Nachdem die Soehne jetzt nicht mehr auf Baustellen in Israel arbeiten koennen, haben sie eine Huehnerzucht aufgemacht, um die Eier zu verkaufen - der Preis, den sie dafuer kriegen, ist im Vergleich zu dem in Israel oder Europa laecherlich. Aber sobald Frieden im Nahen Osten gesichert ist - go Obama go - sollten wir uns da unten gleich - neben der Gleichberechtigung von Frauen - auch mal für Tierschutz einsetzen: Die Hühner leben schon sehr legebatteriemäßig...
Aber das wichtigste: Die Menschen sind aussergewöhnlich nett und auch sehr weltoffen. Keine Spur davon, dass sie die westliche Lebensweise hassen würden: Meine Sonnenbrille war ein sehr begehrtes Objekt an dem Tag. Und auch die Frauen machen - trotz der Trennung beim Essen - keinen "unterdrückten" Eindruck: Die Schwestern ziehen ihre Brüder genauso auf wie umgekehrt; die Mutter macht Witze - und ihr Mann lacht über diese so ehrlich, wie ich nie einen Ehemann hier in Deutschland über Scherze seiner Frau lachen sehen habe...
Abends gingen wir dann noch in einen Vergnügungspark, wenn man bös ist, ein wenig kitsching; Aber der Besitzer halt alles mit seinen eigenen Händen selbst gebaut. So wie überall im Westjordanland ist aber der Tourismus eher schwach; so dass auch in dem Park nur wenige Besucher waren. Kurz bevor wir wieder zum Haus der Familie zurückkehren und von dort aus nach Tel Aviv heimfahren wollten, erhielt Djibril einen Anruf: Auf der Strasse zu ihrem Haus haben israelische Besatzungsmächte einen Kontrollposten eingerichtet; die Frage, wie wir diesen umgehen können, bestimmt die Rückfahrt zum Haus und die anschliessende Diskussion im Wohnzimmer. Nachdem wir zum Schluss kommen, dass ein Auto mit israelischem Kennzeichen eh nicht angehalten wird und Nirit ja einen guten Grund hatte, hier zu sein, brechen wir wieder Richtung Tel Aviv auf. Tatsächlich werden wir nicht angehalten. Allerdings werden wir an der Grenze gebeten, aus dem Wagen auszusteigen. Dieser wird komplett gefilzt und auch unser Gepäck wird - wie am Flughafen - untersucht. Michael wird ein wenig eingehender befragt, da er Israeli ist - aber er kommt durch. Was ich schon bemerkenswert finde: Israel hat ein Militärbudget von 7,5 Mrd. US-$ (=7,3% des BIP) - aber die Grenzkontrollen werden von einer Privatfirma (!) organisiert. Was macht das ganze Militär dann eigentlich?
So ging also die Reise ins Westjordanland zu Ende. In diesem Sinne: There must be another way...
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